Mitte Januar wurde bekannt, dass ein nicht-exekutives Verwaltungsratsmitglied von Montana Aerospace 1 Million Aktien im Wert von 30,8 Millionen Franken des eigenen Unternehmens verkauft hat. Das geht aus dem Verzeichnis der Börsenaufsicht Six Exchange Regulation (SER) hervor.

Bei insgesamt rund 62 Millionen ausgegebenen Wertpapieren macht die Anzahl der verkauften Titel gut 1,6 Prozent der Marktkapitalisierung des SPI-Unternehmens aus.

Ein so umfangreicher Verkauf ist ungewöhnlich, sowohl für Montana Aerospace als auch unter den Management-Transaktionen aller börsenkotierten Schweizer Unternehmen. Die meisten Management-Transaktionen bei Montana Aerospace gehen über einige tausend Aktien beziehungsweise einige zehn- oder hunderttausend Franken; in den vergangenen drei Jahren gab drei Stück in zweistelliger Millionen-Franken-Höhe - eines davon nun Mitte Januar 2026.

Gründe für die Veräussserung von Aktien des eigenen Unternehmens reichen von sehr einfachen bis zu anspruchsvollen Motiven. Manchmal beschafft sich der Manager oder Verwaltungsrat schlicht und einfach Geld für ein privates Vorhaben, etwa einen Immobilienkauf. Happiger ist es, wenn der Verkauf aus Misstrauen gegenüber dem eigenen Unternehmen, seiner Geschäftsentwicklung und Stellung im Markt geschieht.

Dieses Motiv ist im Fall von Montana Aerospace unwahrscheinlich. Denn das Management hat den Konzern ja soeben umgebaut. Es hat sich vom Energiesegment getrennt und setzt nun ganz auf die Luft- und Raumfahrt. Montana Aerospace ist also zu einem reinen Luftfahrtspezialisten geworden, der zudem Verträge mit dem US-Kampfjetbauer Lockheed Martin und dem Flugzeughersteller Airbus hat.

Mit dem Konzernumbau einher gingen Wechsel auf Managementstufe. Die Posten des CEO und des Finanzchefs wurden neu besetzt, und der bisherige Co-CEO und CFO der Gruppe, Michael Pistauer, wechselte ganz in den Verwaltungsrat, dem er bereits einige Monate angehörte. In dieser Rolle werde Pistauer «die langfristige strategische Weiterentwicklung der Gesellschaft begleiten», hiesst es in der Mitteilung dazu.

Unterdessen hat sich die Aktie positiv entwickelt. Zwischen Ende November und Mitte Januar stieg sie von 22,00 Franken um 57,5 Prozent auf 34,65 Franken. Damit hatte sie den höchsten Stand seit Mitte Februar 2022 erklommen und den Tiefstand des Herbstes 2023 bei rund 10 Franken deutlich hinter sich gelassen.

Wahrscheinlich ist daher, dass eine Gewinnmitnahme Grund für den Verkauf war - oder: einer der Gründe war, die weitere Überlegungen enthalten. Etwa, dass die Mittel in unternehmerische Vorhaben gesteckt werden. Die letzte grosse Transaktion im Sommer 2025 wurde auch so erklärt, wie die Medienstelle cash.ch damals sagte.

Und heute? Die Medienstelle teilt mit, dass die Aktien über die «Montana Tech Components» verkauft wurden und der Stärkung von deren Eigenkapital zufliessen sollen. 

Die Frage, wer der Verkäufer war, lässt sich prima vista nur annähern, nicht aber sicher beantworten, da die SER-Datenbank jeweils nur die Funktion, nicht aber den Namen von Verkäufer oder Käufer offenlegt. Das Unternehmen sagt jedoch, dass es sich um Verwaltungsratspräsident Michael Tojner handelt.

Er ist schon wegen der Besitzverhältnisse wahrscheinlichste Verkäufer. Tojner besass laut Geschäftsbericht 2024 mehr als 31 Millionen Aktien - alle anderen Mitglieder von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat hatten keine oder maximal 11'000 Aktien. Die Bekenntnis, dass Michael Tojner weiterhin grösster Aktionär sei, bleibt indes bestehen.

Reto Zanettin
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