Die zweite Gewinnwarnung hinterliess bei Analysten und Investoren Ende 2022 viele Fragezeichen. Und nicht nur das: Die Aktie der Biotech-Firma Polypeptide brach an jenem Handelstag ein, und in der Zeit danach ging es mal hoch, mal runter. Erschwerend hinzu kam, dass die Valoren gerade von grossen Research-Brokern kaum wahrgenommen wurden.
Seit einigen Monaten hat die Aktie des in Baar ansässigen Unternehmen Aufwärtsdrall und just diese Woche ein 14-Monate-Hoch erreicht. Bei 30,85 Franken stand sie 133 Prozent höher als auf dem Jahrestiefstand 2025, auf dem sie im April nach der Eskalation des Zollstreits angelangt war. Der Swiss Performance Index (SPI) hat im gleichen Zeitraum 26 Prozent zugelegt.
Die positive Entwicklung der Polypeptide-Valoren wird getragen von Investitionen in die Standorte Braine-l’Alleud (Belgien) und Malmö (Schweden). Die dort geschaffenen Produktionskapazitäten sollen die steigende Nachfrage wichtiger Kunden decken und Wachstum ermöglichen. «Diese Investition unterstützt unser Ziel, den Umsatz von 2023 bis 2028 zu verdoppeln und nachhaltigen Wert für unsere Aktionäre zu schaffen», sagte CEO Juan José González im September zum Standort in Malmö. 100 Millionen Euro wurden in den Ausbau gesteckt. Stellen für 100 zusätzliche Mitarbeiter seien geschaffen worden, teilte das Unternehmen mit. Es beschäftigt total rund 1300 Personen und beliefert Pharmaunternehmen.
Die letzte Zahlenvorlage war der Halbjahresbericht vom August. Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 167 Millionen Euro, der operative Gewinn verbesserte sich um 50 Prozent auf 4,4 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie sank indes auf minus 0,80 Euro, nach minus 0,35 Euro im ersten Semester 2024.
Der Ausblick für das Gesamtjahr 2025: Eine operative Marge im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich und ein Umsatzwachstum von 13 bis 20 Prozent. Letzteres ist ein weit gefasstes Ziel. Es spiegelt eine gewisse Unsicherheit, wie viel seiner Produkte das Unternehmen tatsächlich ausliefern und fakturieren kann. Entsprechend müssen Anleger für Schwankungen - auch des Aktienkurses - bereit sein. Klarheit dürfen sie sich von den Ergebnissen 2025 versprechen, die im März präsentiert werden.
Jefferies und Berenberg haben Abdeckung gestartet
Den Aktienpreis unterstützt hat auch eine verbesserte Wahrnehmung durch Analysten. So hat Jefferies die Abdeckung im September aufgenommen. Das Kursziel von 38,70 Franken und die Kaufempfehlung wurden bis heute mehrfach bestätigt. Berenberg deckt die Aktie seit November ab. Das Preisziel liegt bei 30 Franken, die Einstufung lautet «Buy». Der Markt für Peptidtherapeutika werde zwischen 2025 und 2030 jährlich um mehr als 10 Prozent wachsen, schrieb die zuständige Berenberg-Analystin. Polypeptide werde profitieren, dank eines Marktanteils von rund 15 Prozent, einer breit gefächerten Pipeline und umfassender Expertise auf dem Feld der Peptide, erklärte die Spezialistin.
Damian Burkhardt, Leiter Aktien Schweiz von EFG Asset Management, sagt auf Anfrage von cash.ch: «Die Wachstumsperspektiven für metabolische Therapeutika - wie GLP 1 - bleiben für die nächsten Jahre attraktiv.» Dies, auch wenn sich der Newsflow um Abnehmerspritzen im letzten Quartal abgeflacht habe. «Die ansprechende Anzahl von 32 Projekten in der Phase 3 sollte dem langfristig orientierten Investor zusätzlich Komfort geben.»
Gemessen am Kurszielkonsens von 33,90 Franken haben die Valoren, die am Mittwoch bei 28,85 Franken aus dem Handel gingen, noch Luft nach oben. Die aktuelle Notierung liegt allerdings tiefer als das Mehrmonatehoch bei 30,85 Franken, und Risiken für den Aktienkurs gibt es durchaus, beispielsweise eine langsamer als erwartet verlaufende Entwicklung der Pipeline oder eine intensivere Konkurrenz, die Marktanteile kostet und so das Wachstum hemmt.

