Es ist, als hätte der Start ins zweite Halbjahr zu einem Umschwung an den Börsen geführt. Der Swiss Market Index (SMI) ist von einem Rekordstand am 3. Juli rund 2 Prozent zurückgefallen. Ob dies nun der Anfang einer Korrektur ist oder ob der SMI nur eine Verschnaufpause einlegt, wird sich zeigen.

Interessant ist hierzu der Trend in den USA. Dort haben die Börsen schon einige Wochen vor dem Schweizer Markt zu schwächeln begonnen. So hat der Nasdaq 100 seit Anfang Juni rund 5 Prozent nachgegeben. Der marktbreite S&P 500 fiel ebenfalls, hat seine Verluste seit Ende Mai aber beinahe wieder aufgeholt - was eher für die These «Verschnaufpause» spräche.

Hauptgrund für den Börsenrückgang in den USA sind Ängste vor geldpolitischen Straffungen der US-Notenbank. Die dadurch aufgekommene Nervosität an den Märkten zeigte sich dann vorab in Gewinnmitnahmen bei Aktien, die übermässig zugelegt hatten. Am krassesten war dies bei der Aktie des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk der Fall, die nach dem Börsendebüt bis auf 225,64 Dollar hochgeschnellt war – und dann Mitte letzter Woche unter den IPO-Ausgabepreis von 135 Dollar fiel.

In der Schweiz waren es vor allem die beiden Index-Schwergewichte Novartis und Roche, die wesentlich zum Rückgang des SMI in den letzten Wochen beigetragen haben. Die Valoren von Novartis notieren nun gar auf einem Ein-Monate-Tief. Auch andere, bei Investoren teils sehr beliebte Aktien sind zuletzt auf dem absteigenden Ast gewesen. Hier eine Auswahl und ihre Chancen auf eine nachhaltige Rückkehr in die «grüne Zone».

1) ABB

Beim Technologiekonzern ist nun das eingetreten, was cash.ch in den letzten Monaten schon ein paar Mal angedeutet hatte. Ein Kursrückgang wegen sinkender Nachfrage bei Aktien mit KI-Fantasie. Zudem beurteilen Investoren eine jüngst angekündigte Übernahme kritisch.

Rund 10 Prozent hat der Titel in den letzten vier Wochen verloren und ist dabei auf den Stand von Anfang Mai zurückgefallen. Die Aktie hatte zuvor mit einem zwischenzeitlichen Plus von fast 50 Prozent seit Jahresbeginn offensichtlich zu stark zugelegt, getrieben von nicht unberechtigten Wachstumsaussichten im Bereich Rechenzentren.

Die «beeindruckenden» Quartalszahlen (Analysten von RBC) vom letzten Freitag fallen in die Kategorie «Gut ist nicht gut genug». Vor allem aber missfiel den Anlegern der ihrer Ansicht nach überhöhte Preis der geplanten Übernahme des britischen Automatisierungsspezialisten Rotork. Die Abstrafung von ABB an der Börse nach den Zahlen könnte ein böser Vorbote sein für andere heissgelaufene Titel: Nämlich dass Unternehmen mit guten Quartalszahlen die Investoren nicht mehr zufriedenstellen können. Anleger sollten bei ABB mit Engagements noch zuwarten.

2) Sunrise

Die Aktie der Nummer zwei in der Schweizer Telecombranche ist Anfang Juli auf den tiefsten Stand seit dem Börsendebüt im Herbst 2024 gefallen. Seither hat sich der Titel auf 42 Franken hochgerappelt, liegt aber noch immer deutlich unter der im September erreichten Rekordmarke von über 51 Franken. Auch Branchenrivale Swisscom musste an der Börse in den letzten Monaten deutlich Federn lassen.

Angesichts der mageren Wachstumsaussichten sind weder Sunrise noch Swisscom wirkliche Lieblinge der Aktienanalysten. Konservative Anleger sehen dies ein wenig anders. Denn die Sunrise-Aktie lockt nun mit einer Dividendenrendite von mittlerweile nicht weniger 8,1 Prozent. Prognose: Die Aktie wird spätestens im Vorfeld der nächsten Dividenden-Jagdsaison wiederentdeckt.

3) Sandoz

Die Aktie von Sandoz widerlegt die These, dass die Aufnahme in einen Leitindex kursfördernd wirkt. Beim Generika-Hersteller ist genau das Gegenteil der Fall: Rund 12 Prozent beträgt der Rückgang der Sandoz-Aktie seit dem Rekordhoch Anfang Juli -  wobei just am 8. Juli der Indexbescheid kommuniziert wurde.

Hintergrund: Offenbar schien Sandoz Ende Juni nicht recht happy mit den fortlaufenden Markterwartungen, worauf laut AWP bei Sandoz ein «Pre-Announcement»-Hilfsblatt die Medienstelle verliess, worin an die Guidance für die Kern-EBITDA-Marge erinnert wurde. Sprich: Die Konsensschätzungen schienen eine Spur zu optimistisch und nicht deckungsgleich mit den Konzernangaben nach dem ersten Quartal.

Die langfristigen Perspektiven sind bei Sandoz jedenfalls gut. Ein Beispiel: Ende Juni hat die US-Zulassungsbehörde FDA den Antrag für eine Generika-Variante des Wirkstoff Tirzepatid (gegen Diabetes und Fettleibigkeit) von Eli Lilly akzeptiert. Sollte die FDA die eigentliche Zulassung erteilen, könnte Sandoz nach eigenen Angaben zu den ersten Anbietern eines generischen Tirzepatid-Präparats in den USA gehören - ein Milliardenmarkt. So etwas würde aber erst sehr langfristig eintreten. Kurz- und mittelfristig sind Sandoz-Kurse unter 60 Franken für Investoren ein Kaufsignal. Anleger sollten vorerst die Halbjahreszahlen vom 5. August abwarten.

4) Huber+Suhner

Seit dem Rekordhoch Anfang Juni sind die Aktien von Huber+Suhner um ein sattes Drittel zurückgekommen. Zuvor war der Titel seit April 2025 um rund 300 Prozent gestiegen. Die Zutaten für den fast schon kometenhaften Aufstieg waren die Huber+Suhner-Geschäftsfelder Rechencenter, Luftfahrt und Verteidigung - zugleich gängige Buzz-Wörter an der Börse.

Für den Analysten von Berenberg ging der Anstieg des Titels zu schnell, worauf er die Anlageempfehlung vor Monatsfrist auf «Hold» von zuvor «Buy» senkte. Allerdings erhöhte er das Kursziel für die Aktie auf 250 von 200 Franken mit der Bemerkung, dass die langfristigen Perspektiven für Huber+Suhner nach wie vor gut seien. In einem Interview Anfang Juni zeigte sich CEO Urs Ryffel für das Geschäftsjahr 2026 nach wie vor zuversichtlich.

Derzeit notiert der Titel bei 185 Franken. Ein Blick auf den steilen Abfall der Aktie lässt die Vermutung zu, dass die Korrektur noch nicht vorbei ist. Anleger bleiben vorerst besser an der Seitenlinie.

5) GAM

Wann kommt endlich ein nachhaltiger Turnaround? Diese Frage stellen sich die Langfrist-Investoren beim Vermögensverwalter GAM seit Jahren. Das Unternehmen, 2009 von Julius Bär abgespalten und seit 2023 in Mehrheitsbesitz einer Aktionärsgruppe um den illustren französischen Investor Xavier Niel, kämpft seit langem mit den Folgen hausgemachter Probleme. Vor elf Jahren notierte der Titel noch bei 21 Franken, heute sind es rund 6 Rappen. Damit avancierte GAM zu einem der grössten Wertvernichter an der Schweizer Börse.

Seit letztem Oktober befindet sich der Titel erneut auf konstanter Talfahrt und hat dabei 70 Prozent an Wert verloren. Hintergrund: 2025 resultierte ein Verlust von 74 Millionen Franken - nach 77 Millionen im Vorjahr. Dabei wurden für 2026 schwarze Zahlen in Aussicht gestellt.

Die Rückkehr zur Profitabilität werde länger dauern als erhofft, hiess es dann in diesem Frühjahr. Solche Enttäuschungen verzeiht der Markt in der Regel nicht so schnell. Fragt sich bloss, wie lange die Geduld von Hauptaktionär Niel reicht. Die Aktien sind allenfalls für Zocker geeignet.

Daniel Hügli
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