Die Aktien von Clariant starten die neue Woche mit Gewinnen, steigen kurz nach Handelsstart zeitweise rund 5,9 Prozent auf 9,685 Franken und setzen damit den starken Kurssprung der vergangenen Tage fort.

Grund für die Avancen sind zwei Hochstufungen von Analystinnen und Analysten. Die abgewiesene Klage vor dem Amsterdamer Landgericht sei ein Game-Changer, heiss es. In drei Sitzungen steigen die Titel um über 25 Prozent und notieren nun auf einem 15-Monats-Hoch.

Barclays erhöht die Titel des Spezialchemiekonzerns von «Neutral» auf «Overweight», die Deutsche Bank zieht mit einer Hochstufung von «Hold» auf «Buy» nach. Während Barclays das Kursziel für die kommenden zwölf Monate von 8 Franken auf 11,50 Franken anhebt, erwartet die Deutsche Bank noch etwas mehr Kurspotenzial: Sie hebt das Ziel für die Clariant-Titel von 7,50 Franken auf 12,60 Franken hoch.

Die Abweisung der Schadensersatzklage von Shell bedeute einen wichtigen Wendepunkt, schreibt Barclays-Analystin Katie Richards. Das Urteil schwäche die Grundlage vieler weiterer Klagen erheblich; sie senke ihre Annahmen für potenzielle Rechtsrisiken daher auf 0,8 Milliarden Franken von zuvor 2 Milliarden. Laut der Deutschen Bank sind die Auswirkungen des Urteils im Aktienkurs noch nicht vollständig berücksichtigt, und Clariant sei am Markt weiterhin zu tief bewertet.

Der Experte der Deutschen Bank geht noch einen Schritt weiter: Dank der widerstandsfähigen Ertragsbasis, des starken Cashflows und der soliden operativen Umsetzung ist sogar eine Bewertungsprämie gegenüber den Wettbewerbern gerechtfertigt - aktuell notiert der Titel jedoch mit einem Abschlag.

Bisher haben wenige Expertinnen und Experten auf das Urteil des Amsterdamer Landgerichts vom vergangenen Donnerstag reagiert. Das durchschnittliche Kursziel liegt deshalb weiterhin bei rund 9 Franken - was einem Verlustpotenzial von rund 5,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Kursniveau entspricht. 

Doch schon vor den Meldungen von vergangener Woche hellte sich das Analystenbild etwas auf: Während vor einem halben Jahr nur vier Kaufempfehlungen von insgesamt 17 Bewertungen für den Spezialchemiekonzern vorlagen, waren es laut LSEG bis Sonntag sieben. Mit den Schwenkern von Barclays und der Deutschen Bank raten nun neun von 17 Expertinnen und Experten zum Kauf.

(Mit Material von AWP)

Luca_Niederkofler
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