GameStop legte den Eignern des für Auktionen bekannten Online-Händlers am Sonntag (Ortszeit) ‌ein Angebot ⁠von 125 Dollar je Aktie oder insgesamt rund 56 Milliarden Dollar vor. Dies entspricht einem Aufschlag von etwa 20 Prozent im ⁠Vergleich zum eBay-Schlusskurs vom Freitag.

Bei Anlegern stiessen die Pläne auf Skepsis. eBay-Titel legten am Montag im vorbörslichen Handel an der Wall Street zwar 6,5 Prozent ‌zu, blieben mit knapp 110 Dollar jedoch unter dem Angebotspreis. GameStop-Titel rutschten um mehr ‌als fünf Prozent ab.

GameStop werde den Kaufpreis jeweils zur Hälfte in ​bar und in eigenen Aktien zahlen, schrieb GameStop-Chef und -Grossaktionär Ryan Cohen in einem Brief an das eBay-Management. Sollte sich die Führung der Online-Handelsplattform mit Sitz im kalifornischen San Jose gegen die Übernahme stemmen, werde er sich direkt an die Aktionäre wenden. Durch den Zusammenschluss entstünde ein ernsthafter Konkurrent für Amazon, betonte Cohen in einem Interview mit dem «Wall Street Journal» (WSJ). Die Zeitung hatte zunächst über ‌Cohens Pläne berichtet. eBay teilte mit, die Offerte zu prüfen.

Cohen bezifferte das Einsparpotenzial auf zwei Milliarden Euro innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss der Übernahme. «Ich habe vor, eBay zu einem Unternehmen zu machen, das Hunderte Milliarden Dollar wert ist.» Aktuell liegt die Marktkapitalisierung ​der Plattform bei etwa 46 Milliarden Dollar. GameStop selbst kommt auf etwa zwölf Milliarden Dollar. Die ​Übernahme solle durch eigene Mittel und neue Schulden finanziert werden, fügte Cohen ​hinzu. Dem «WSJ» zufolge will GameStop zudem einen Staatsfonds aus dem Nahen Osten ins Boot holen.

Der durch seine Wetten gegen den US-Immobilienmarkt während der Finanzkrise von 2008 bekanntgewordene ‌Fondsmanager Michael Burry bezweifelte den Erfolg von Cohens Strategie. Hohe Zinskosten und anderweitige Beschränkungen würden das Wachstum des fusionierten Unternehmens voraussichtlich bremsen, schrieb er in einem Blog-Beitrag. Er denke daher darüber nach, sich teilweise oder ganz von seinen GameStop-Anteilen zu trennen.

Von kriselnden Videospielehändler zum Unternehmenskäufer

GameStop wurde ​2021 als sogenannte Meme-Aktie bekannt. Damals ermunterten sich Kleinanleger in ⁠Online-Foren gegenseitig zum Kauf bestimmter Werte. Damit brachten sie Hedgefonds, die auf fallende Kurse ​gesetzt hatten, in die ⁠Bredouille. Cohen war im Januar 2021 in den Verwaltungsrat eingezogen und hatte im September 2023 den Chefposten bei GameStop übernommen. Er steuerte ‌den Konzern durch strikte Kostensenkungen zurück in die Gewinnzone.

GameStop hat mit dem Trend zu Online-Käufen zu kämpfen und musste in der Vergangenheit zahlreiche Filialen schliessen. Im Weihnachtsquartal verbuchte der Einzelhändler mit etwa 1600 Filialen einen Umsatzrückgang um ‌14 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar. Der Online-Händler eBay ist dagegen auf Wachstumskurs. Vor allem das ​Geschäft mit Sammlerstücken sowie mit Ersatzteilen für Autos und Motorräder brummt. Am Mittwoch hatte die Plattform eine Umsatzprognose für das zweite Quartal abgegeben, die über den Markterwartungen lag. Das Geschäft mit Kleinanzeigen hat eBay vor einigen Jahren verkauft.

(Reuters)