Der europäische Gas-Future rutscht zeitweise mehr als ‌zehn ⁠Prozent auf bis zu 54,10 Euro je Megawattstunde ab, nachdem er zuvor ⁠bis auf 62,85 Euro gestiegen war. «Die Märkte haben eine wilde Fahrt hinter sich, da die Anleger ‌zwischen tiefem Pessimismus und schwindelerregendem Optimismus über den ‌Verlauf des Krieges mit dem Iran ​geschwankt haben», sagte Susannah Streeter, Anlage-Strategin beim britischen Broker Wealth Club. Auch wenn es riskant sei, sich an Trumps Worte zu klammern, habe sich die Stimmung vorerst aufgehellt.

Zunächst hatten die Preise zugelegt, nachdem Trump am Samstag gedroht hatte, ‌iranische Kraftwerke zu «zerstören», sollte die Strasse von Hormus nicht binnen 48 Stunden vollständig wieder geöffnet werden. Der Iran hatte daraufhin mit der Zerstörung kritischer Infrastruktur im Nahen ​Osten gedroht. Experten warnen nach Trumps Äusserungen jedoch vor ​überzogenem Optimismus. Die jüngste Wendung ändere wenig an ​den Aussichten auf einen deutlich engeren Markt im Jahr 2027, sagte Arne Lohmann Rasmussen, Analyst ‌bei Global Risk Management. Grund sei die Vernichtung von 17 Prozent der katarischen LNG-Produktion. «Selbst wenn der Krieg morgen endet, wird er ernste langfristige Auswirkungen auf ​die LNG-Aussichten ​haben.»

Zudem sei die Gefahr noch ⁠nicht gebannt, sagten Analysten. «Wir sehen auch das ​Risiko weiterer Angriffe auf ⁠die Energieinfrastruktur am Golf, die zu dauerhaften Versorgungsengpässen führen und ein erhebliches ‌Aufwärtsrisiko für unsere Erdgas- und Rohölprognosen darstellen», teilten etwa die Experten der Rabobank mit. Laut Daten von Gas Infrastructure Europe waren die ‌Gasspeicher in der EU zuletzt zu 28,5 Prozent gefüllt, im ​Vergleich zu rund 33,8 Prozent zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.