Der Umsatz von Geberit dürfte im ersten Halbjahr klar zurückgegangen sein - im Vergleich zu einem starken Vorjahr allerdings. Die Analysten erwarten ähnlich wie im ersten Quartal tiefere Volumina im zweistelligen Umfang; zudem dürfte erneut ein signifikanter negativer Währungseinfluss mitgespielt haben. Dank der im vergangenen Jahr mehrfach erhöhten Preise sollte sich das organische Umsatzminus allerdings lediglich im mittleren einstelligen Bereich bewegen.

Die Endmärkte im Baubereich sind über ganz Europa gesehen derzeit in einer schwachen Verfassung, insbesondere auch im für Geberit wichtigsten Einzelmarkt Deutschland. Dort hat sich das Konsumentenklima zuletzt weiter verschlechtert. Gegen Investitionen im Bereich Sanitär spricht zudem der anhaltende Trend zu Investitionen in klimafreundlichere Heizungen.

Dank der angehobenen Verkaufspreise, tieferen Energie- und Frachtkosten sowie tendenziell stabilen Rohstoffpreisen dürfte sich die operative Gewinnmarge von Geberit aber gegenüber dem ersten Semester 2022 deutlich verbessert haben.

Einen konkreten Ausblick für das Gesamtjahr hat Geberit wie üblich bislang noch nicht gegeben. Die Einschätzungen für 2023 hätten sich seit der Veröffentlichung der Jahreszahlen 2022 im März nicht verändert, hiess es dazu im Mai. Insgesamt sei im laufenden Jahr mit einem anspruchsvollen Umfeld für die Bauindustrie zu rechnen.

An positiven Faktoren erwähnte das Unternehmen den grundsätzlichen Bedarf an Renovationen und Neubauten im Wohnungsbau, den strukturellen Trend zu höherwertigen Sanitärstandards sowie ein positives Marktumfeld in aussereuropäischen Ländern wie Indien oder in der Golfregion. Den Lagerabbau im Grosshandel sah CEO Christian Buhl Anfang Mai aber mehr oder weniger abgeschlossen.

Der rückläufige Trend bei den Umsätzen dürfte sich dennoch im zweiten Quartal nicht geändert haben. "Der Basiseffekt des starken Vorjahres wird im zweiten Quartal noch deutlicher ausfallen als im ersten", so Buhl im Mai. Denn das zweite Quartal 2022 sei wegen Vorzieheffekten im Vorfeld der deutlichen Preiserhöhung per Mitte Jahr noch besser ausgefallen als das erste.

Für die Energiepreise erwartete Buhl im zweiten Quartal einen weiteren Rückgang gegenüber dem ersten. Die Rohmaterialpreise sah er im Vergleich der beiden Quartale in etwa stabil, aber leicht tiefer als im zweiten Quartal 2022.

Die Geberit-Aktie hält sich mit einem Plus im Vergleich zu Ende 2022 von rund 8 Prozent im Vergleich zum SMI etwas besser. Nach einem starken Juli gingen die Kurse seit Anfang August allerdings wieder etwas zurück.

(AWP)