Geld verdienen bei sinkenden Kursen?

In Aktien zu investieren und dabei auf Kursgewinne zu setzen, gehört zum Einmaleins des Anlegens. cash zeigt auf, wie man auch bei fallenden Kursen verdienen kann.
15.10.2014 17:38
Von Marc Forster
Fallenden Kursen hilflos ausgesetzt? Mit den richtigen Instrumenten nicht unbedingt.

Auf fallende Kurse zu setzen, erfordert eine gewisse Kenntnis von Anlageformen und ist auch nicht ganz ungefährlich. Es braucht eine erhöhte Bereitschaft, eine Wette einzugehen. Aber auch Privatanleger können "short" gehen, wie es in der Fachsprache heisst und dabei Geld verdienen. Kürzlich kommentierte ein cash-Leser: "Endlich legen meine Short ETF auf SMI und S&P 500 zu. Ich habe lange gewartet."

Damit ist mit dem Short ETF schon eine Anlagemöglichkeiten genannt. Drei weitere wichtige Instrumente für das Spekulieren bei Phasen sinkender Kurse – wie zum Beispiel jetzt, wo die Börsenmärkte der Welt in der Korrektur sind – in der Übersicht:

Put Warrants: Mit einem Put-Warrant hat man das Recht, innerhalb einer bestimmten Frist eine vereinbarte Menge Titel zu verkaufen, und zwar zu einem bereits festgelegten Preis, dem sogenannten "Strike" oder Ausübungspreis. Dafür bezahlt mein eine Prämie. Der Kurs des Put Warrants steigt, wenn der Kurs der involvierten Titel sinkt. Bei steigenden Kursen hingegen verliert der Halter eines Put-Warrants.

Zu beachten ist: Der Wert der Warrants wird nicht nur vom Kursverlauf des zugrundeliegenden Titels gesteuert. Auch andere Faktoren wie die Restlaufzeit oder die Volatilität beeinflussen den Preis. Es gilt: Je geringer die Restlaufzeit, desto günstiger der Warrant. Und je höher die Volatilität, desto teurer der Warrant.

Ein Beispiel für einen Put-Warrant auf den Swiss Market Index (SMI) finden sie hier.

Mini-Future: Der Käufer eines Mini-Future muss den Basiswert, sprich den SMI, nur zu einem geringen Teil selbst finanzieren. Den Restbetrag, den sogenannten Finanzierungsanteil, übernimmt der Emittent. Gibt nun der SMI kräftig nach, profitieren Anleger überproportional. Je höher der Finanzierungsanteil, desto grösser der Hebeleffekt. 

Allerdings will Fremdkapital bekanntlich verzinst sein. Der Emittent belastet dem Anleger daher Finanzierungskosten, indem er den Finanzierungslevel täglich anpasst. Anders als bei klassischen Futures ist bei Mini-Futures die Laufzeit nicht begrenzt. Weiter müssen Anleger bei Mini-Futures nie Geld nachschiessen, denn die Instrumente verfügen über eine automatische Verlustbarriere: den Stop Loss Level. Bewegt sich der Basiswert in die unerwünschte Richtung und erreicht den Stop Loss Level, verfällt der Mini Future sofort. Der Emittent berechnet dann den Restwert und zahlt diesen – sofern noch etwas übrig bleibt - dem Anleger aus.

Eine Übersicht über Mini-Futures auf den SMI, weiteren Indizes sowie auf Einzeltitel finden Sie hier.

Short-ETF: Exchanged Traded Funds (ETF) bilden einen Börsenindex wie zum Beispiel den SMI ab. Ein Short SMI-ETF setzt darauf, dass der Schweizer Leitindex sinkt. Konstruiert sind Short ETFs mit Derivaten wie Warrants, Futures und Swaps und sind unter anderem deswegen beliebt, weil sie weniger risikoreich erscheinen als Leerverkäufe (siehe unten) und im Vergleich zu klassischen Fonds billiger sind.

Ob sich Short-ETF als langfristiges Investment eignet, ist hingegen fraglich. Denn obwohl derzeit der SMI schwächelt, ist dieser in den letzten fünf Jahren gestiegen. So gesehen sind Short-ETF nur etwas für Anleger, die Schwächephasen für kurzfristige Gewinne nutzen wollen. Wenn die Short-ETF gehebelt sind, können die Einnahmen gesteigert werden – und etwaige Verluste verschlimmert. Oder wie ein amerikanischer Börsenjournalist es formulierte: "Short-ETFs sind wie Honig für Bären, aber sie sollen sich nicht von den Bienen stechen lassen."

Ein Beispiel für einen doppelt gehebelten Short ETF finden Sie hier.

Leerverkäufe: Sind heikel, weil sie im Ruf stehen, Abwärtsspiralen an den Börsen zu beschleunigen, und aus regulatorischer Sicht nicht ganz unbedenklich – In der Finanzkrise waren bestimmte Formen des "short selling" zeitweise verboten und einige Länder sowie die EU schränken Leerverkäufe ein. 

Beim Leerverkauf veräussert ein Anleger Wertpapiere, Devisen oder Waren, die er zum Zeitpunkt des Verkaufs gar nicht hat – er leiht sie sich zunächst nur, oder wie beim "Naked Short Selling", tut nicht einmal das. Letzteres verbietet die Schweizer Börse SIX. Der Leerverkäufer hofft, die Basiswerte später für einen günstigeren Preis zu erstehen. Haben diese in der Zwischenzeit tatsächlich an Wert verloren, kann er die Differenz zwischen Kaufpreis und Kurswert als Gewinn einstreichen.

Das Risiko von Verlusten bei Leerverkäufen ist relativ hoch. Daher ist diese Praxis eher etwas für gewiefte Finanztaktiker. Für Leerverkäufe braucht man zudem einen Kapitalpuffer, eine sogenannte Sicherheitsmarge.