Jedoch sieht sich der Pharmakonzern nach einem Rekordjahr in der Forschung und dank einer prall gefüllten Medikamenten-Pipeline für die kommenden Jahre gut gerüstet. «2025 war ein starkes Jahr für Roche. Es spiegelt unsere operative Exzellenz und unseren klaren Fokus auf Forschung und Entwicklung wider», sagte Konzernchef Thomas Schinecker am Donnerstag bei der Vorlage der Jahresbilanz.
Die Pharma-Pipeline habe mit zehn potenziellen neuen Medikamenten in der letzten Phase der klinischen Entwicklung einen «historischen Meilenstein» für das Unternehmen erreicht. Zu den wichtigsten Hoffnungsträgern zählt das Brustkrebsmedikament Giredestrant. Es ist laut Schinecker die erste hormonelle Therapie, die «nach fast 25 Jahren einen klaren Vorteil gegenüber bestehenden Behandlungen in diesem frühen Krankheitsstadium» zeige.
Nach Angaben des Vorstands ist der geschätzte Wert der Pipeline seit Ende 2023 um fast 50 Prozent gestiegen, das durchschnittlich erwartete Spitzenumsatzpotenzial pro Projekt sogar um mehr als 60 Prozent. «Der Wert unserer Pipeline ist jetzt so hoch wie nie zuvor», sagte Schinecker. Rund zwei Drittel der Projekte könnten in ihrem jeweiligen Krankheitsgebiet eine führende Rolle einnehmen. Bis 2030 rechnet Roche mit der Markteinführung von bis zu 19 neuen Medikamenten. «Selbst wenn es nur die Hälfte davon schafft, haben wir kein Wachstumsproblem», sagte Schinecker.
Besondere Hoffnungen setzt Roche auf den hart umkämpften Markt für Adipositas-Mittel. Anfang der Woche präsentierte der Konzern Studiendaten für seine Abnehmspritze CT-388. Diese führte nach 48 Wochen zu einem placebobereinigten Gewichtsverlust von 22,5 Prozent - Analysten sahen darin jedoch keinen klaren Vorteil gegenüber dem bereits etablierten Konkurrenzprodukt Zepbound von Eli Lilly. Schinecker zeigte sich dennoch zuversichtlich. Roche wolle sich durch ein breites Portfolio an Kombinations- und Diagnostikmöglichkeiten von der Konkurrenz abheben und so zu einem der drei führenden Anbieter in diesem Bereich aufsteigen.
Höhere Dividende nach Gewinnanstieg
Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz von Roche um zwei Prozent auf 61,5 Milliarden Franken. Gegenwind kam erneut vom starken Schweizer Franken: Währungsbereinigt hätte das Plus sieben Prozent betragen. Im vierten Quartal beschleunigte sich das Wachstum auf acht Prozent.
Der operative Kerngewinn kletterte im Gesamtjahr um fünf Prozent auf 21,8 Milliarden Franken, was leicht unter dem Konsensus der Analystenerwartungen von 22 Milliarden Franken lag. Der Verwaltungsrat schlägt eine Erhöhung der Dividende auf 9,80 (Vorjahr: 9,70) Franken je Aktie vor und damit die 39. Anhebung in Folge.
Für das laufende Jahr stellte der Vorstand ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Der Kerngewinn je Aktie soll im hohen einstelligen Bereich zulegen - 2025 lag das Plus bei elf Prozent. Mit Blick auf die als konservativ geltende Prognose sagte Schinecker: «In unserer Geschichte haben wir noch nie eine Prognose verfehlt, und wir wollen nicht die Ersten sein.»
Pharmasparte als Wachstumsmotor - Diagnostik schwächelt
Wichtigster Wachstumstreiber blieb im vergangenen Jahr die Pharmasparte, die währungsbereinigt um neun Prozent zulegte. Besonders stark entwickelten sich die Medikamente Phesgo, Xolair, Ocrevus, Hemlibra und Vabysmo, die zusammen einen Umsatz von 21,4 Milliarden Franken erzielten - ein Zuwachs von 3,2 Milliarden Franken zum Vorjahr. Rückgänge bei älteren Präparaten mit abgelaufenem Patentschutz konnten dadurch mehr als ausgeglichen werden.
Die Diagnostiksparte wuchs währungsbereinigt um zwei Prozent und wies in Franken gerechnet ein Minus von drei Prozent aus. Eine höhere Nachfrage nach Lösungen für die Pathologie und Molekulardiagnostik glich dabei die anhaltenden Belastungen durch Preisreformen im chinesischen Gesundheitswesen aus. Für 2026 erwartet Roche Besserung: Die Sparte soll im mittleren einstelligen Bereich wachsen, da die Effekte der Preisreformen in China nachlassen. Ab 2027 soll die Diagnostik dann wieder zu ihrem üblichen Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Bereich zurückkehren.

