Unerwartet schnell lässt der Schweizer Franken im neuen Jahr die Muskeln spielen. Seit Jahresbeginn hat sich die hiesige Valuta zum Euro um 0,9 Prozent und zum Dollar um 1,9 Prozent aufgewertet. Zur Einheitswährung notierte der Franken am Dienstagabend kurzzeitig gar auf einem Allzeittief von 91,50 Rappen.
Die Kursgewinne für die hiesige Valuta kommen trotz langfristigem Aufwertungstrend überraschend, da Marktstrategen im ersten Halbjahr aufgrund der hohen Zinsdifferenz zwischen Franken und Euro respektive Dollar eher mit einem leicht schwächeren Franken gerechnet hatten. Einmal mehr hatte der Markt aber die Rechnung ohne US-Präsident Donald Trump gemacht, der einerseits mit seinen Grönland-Fantasien die Flucht in den sicheren Hafen Schweizer Franken befeuerte und andererseits am Dienstagabend den «Greenback» einmal mehr schwach redete.
Entsprechend schritten Devisenhändler zur Tat und verkauften Dollar gegen mehr oder weniger jede andere Währung. «Die Dollar-Kursverluste wurden weder durch die US-Renditen noch durch die schwache Performance der amerikanischen Finanzmärkte ausgelöst. Vielmehr schien sie von Devisenmarktakteuren mit neuen Shortpositionen getrieben zu sein, nachdem die US-Valuta aus der Handelspanne der letzten Monate nach unten ausgebrochen ist», so der Devisenstratege Chris Turner von ING Bank in einer Notiz am Mittwoch zur aktuellen Dynamik am Devisenmarkt.
Aus Wettbewerbsgründen dürfte die US-Regierung einen allgemein schwächeren Dollar anstreben, so die Konklusion des ING-Strategen. Er sieht den Dollar um weitere 3 Prozent absinken und meint: «Wenn die Anleger aufgrund des US-Politikrisikos und der Annahme, Washington wolle einen schwächeren Dollar, beschlossen haben, ihre Dollar-Hedge-Quoten zu erhöhen, macht es keinen Sinn, sich dem entgegenzustellen.»
Was kann die Nationalbank tun?
Zum Franken erleidet nicht nur der Dollar, sondern auch der Euro einen Schwächeanfall. Entsprechend wird am Markt spekuliert, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) interviert. Im letzten Jahr herrschte unter den Devisenexperten noch die Meinung vor, die hiesigen Währungshüter würden bei einem Preis von 0,92 Euro zum Franken einschreiten.
Diese Untergrenze dürfte für Devisenmarketinterventionen mittlerweile nicht mehr ausreichen, meint der Währungsanalyst Michael Pfister von der Commerzbank. In den letzten zwei Jahren habe sich die Haltung der SNB zu Devisenmarktinterventionen offenbar etwas verändert. SNB-Präsident Martin Schlegel betonte wiederholt, dass der Schweizer Franken nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen solle. Dementsprechend gingen die Devisenmarktinterventionen deutlich zurück, so die Folgerung des Experten der Commerzbank.
Eine Ausnahme bildete das zweite Quartal 2025 nach den ersten US-Zollankündigungen. Damals griff die SNB verstärkt ein, um den Franken zu schwächen. In diesem Zeitraum wertete der Franken jedoch gegenüber dem G10-Durchschnitt schnell und deutlich auf. Derzeit sei keine derart starke Aufwertung zu beobachten, so der Commerzbank-Analyst.
Es gebe aber derzeit keinerlei Gründe für die SNB, stärker einzugreifen. Dies würde vermutlich eine deutlich stärkere und schnellere Aufwertung erfordern. «Das Niveau von 0,92 dürfte dafür nicht ausreichen», erläutert Pfister von der Commerzbank weiter. «Sollte sich die Aufwertung jedoch beschleunigen und der Kurs des Frankens zum Euro auf 91 Rappen oder darunter fallen, dürften die Interventionsdiskussionen wieder an Fahrt gewinnen. Bis dahin werden die Entscheidungsträger der SNB wohl darauf hoffen, dass sich das Problem von selbst löst», so die Konklusion des Commerzbank-Experte.

