Gestaffeltes Anlegen - Aktien: Diese Anlage-Strategie übersteht die Börsen-Erdbeben

Auch das Corona-Jahr 2020 hat gezeigt. An den Börsen kommt es immer wieder zu heftigen Turbulenzen. Eine Anleitung, wie man mit Aktien und der entsprechenden Strategie einigermassen ruhig schlafen kann.
01.01.2021 12:20
Von Marc Forster
Staunender Händler an der New York Stock Exchange.
Staunender Händler an der New York Stock Exchange.
Bild: Bloomberg

Salomé -  so unser Beispiel - hat 30'000 Franken, die Sie in Aktien anlegen will. Die 35-jährige KV-Angestellte ist keine Börsenspezialistin, aber sie weiss: Mit Aktien wird sich längerfristig mehr Rendite erzielen als mit dem Sparkonto. Wie die Genfer Privatbank Pictet ausgerechnet hat, brachten Aktien 2010 bis 2019 nominal einen Wertzuwachs von 8,7 Prozent pro Jahr (siehe auch Tabelle). Bei der Bank sind die Zinsen hingegen quasi bei Null. Und dies dürfte noch lange so bleiben. 

Doch Salomé ist beim Lesen von Börsenberichten immer wieder verunsichert. Aktuell schreiben viele Anlageexperten, dass die Kurse bald einbrechen würden: Der Markt sei überhitzt. Andere Experten wiederum raten, jetzt erst recht zu investieren - es habe ja noch Luft nach oben, die Gelegenheit sei super. 

Es stimmt natürlich: Wer Turbulenzen "spielen" kann, hat eine grossartige Zeit an der Börse. Solche Anleger sind meist Profis und haben Zeit, sich mit der Börse zu befassen. Doch Neu-Anlegerin Salomé gehört zu den vorsichtigen Menschen und überlegt: Wenn sie jetzt 30'000 investiert, könnten ihre Aktien bald deutlich weniger wert sein. Dieses Risiko will sie nicht eingehen, denn 30'000 Franken sind für sie als Normalverdienerin eine gehörige Summe Geld.

Doch es gibt einen Rat für sie, nämlich gestaffeltes Anlegen. 

Rät man Salomé also, fixe "Portionen" ihres Anlagevermögens zu festgelegten Daten jeden Monat, einmal im Quartal oder halbjährlich anzulegen, wird bei ihrem Vermögensaufbau über die Zeit der genannten Durchschnittskosten-Effekt oder Average Cost Effect zum Tragen kommen.

«Average Cost Effect»

Stehen die Aktienkurse einmal tief, werden mit dem immer selben Betrag automatisch mehr "Teile" gekauft, sind die Kurse hingegen im Hoch, sind es weniger. So entsteht über die Zeit ein durchschnittlicher Kaufpreis. Je länger und je häufiger einbezahlt wird, desto weniger stark beeinflusst ein einzelner Kauf die Entwicklung des Investments insgesamt. Dies wirkt grundsätzlich günstig für die Wertentwicklung.

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Gestaffeltes Anlegen missachtet bewusst die Strategie des "Market Timings". Auf die Idee, einen "richtigen" Zeitpunkt für Zu- und Verkäufe am Aktienmarkt zu finden, kommt man gar nicht erst. Den Markt zu "timen" ist eine umstrittene Methode: Manche schwören drauf, besonders dann, wenn sie den richtigen Zeitpunkt selbst einmal erwischt haben. Andere sagen, dass so etwas gar nicht seriös möglich sei.

Tatsache ist auch: Auf das Streben nach maximaler Rendite verzichtet Neu-Anlegerin Salomé von Vornherein. Hätte sie ihre 30'000 Franken komplett früh in Aktien des Onlinehandels- und Technologieunternehmens Amazon gesteckt, wäre daraus ein Mehrfaches entstanden. Dies aber auch nur, wenn sie über den schweren Markteinbruch mit der Coronavirus-Krise im Februar und März die Nerven nicht verloren und ihre Aktien behalten hätte. Und gute Nerven zu haben braucht Erfahrung: Solch aktives Trading ist etwas für Profis und versierte Privatanleger.

Überrissene Erwartungen sind fehl am Platz

Beim gestaffelten Anlegen geht es darum, am Aktienmarkt teilzunehmen und dennoch ruhig schlafen zu können. Mit Disziplin wird langfristiges Aktiensparen betrieben. Die Idee ist, bei regelmässigen Einzahlungen langfristig von einem steigenden Aktienmarkt zu profitieren. Doch Vorsicht: So etwas wie "garantierte" Renditen gibt es auch dank des gestaffelten Anlegens und des Durchschittskosten-Effekts nicht. In diesem Punkt sind die Marketing-Versprechungen, beispielsweise für Fondssparpläne, manchmal schönfärberisch oder gar irreführend.

Aber als Anleger muss man so oder so kritisch sein. Weil nichts im Leben per se einfach ist, und nichts im Leben nicht auch irgendwo einen Haken hat, müssen auch beim gestaffelten Anlegen die Nachteile im Blick gehalten werden. Diese zeigen sich etwa bei den höheren Kosten. Einzel-Einzahlungen bringen zunächst jedes Mal Transaktionskosten mit sich.

Deswegen müssen Fondssparpläne kritisch auf Kosten untersucht werden. Aktiv gemanagte Fonds sind für Kleinanleger oft sehr teuer und die Kosten fressen einen Teil der Rendite weg. Günstiger sind so genannte Exchange Traded Funds (ETF), die einen Aktien-, Branchen- oder Themenindex nachbilden und bei denen keine teure Fondsverwaltung nötig ist. Wer beispielsweise gestaffelt in einen Robo Advisor investiert, muss nur überweisen – der ganze Rest läuft computerisiert.

Ein Mittel der Diversifikation

Auch beim Säule-3a-Vorsorgesparen mit Wertschriftenkonto wird gestaffelt angelegt – gezwungenermassen, weil die Einzahlungen pro Jahr auf maximal 6828 Franken limitiert sind. Diese Form des Sparens setzt genauso auf den langfristig entrichteten, regelmässigen Sparbeitrag. Und auch bei Robo Advisors und 3a-Fonds- oder Wertschriftenkonten ist es natürlich entscheidend wichtig, die Kosten im Auge zu behalten.

Wer gestaffelt anlegt, diversifiziert sein Investment gewissermassen über die Zeitachse. Daneben ist natürlich auch die Diversifikation der ausgewählten Aktien wichtig: Ein Mix aus Aktien verschiedener Unternehmen und Branchen macht die Anlage stabiler. Wählt man Aktien sowohl mit geringen und auch stärken Kursausschlägen aus, reduzieren sich Anlagerisiken aller Erfahrung nach.

Vergleich Aktien- und Obligationenperformance, annualisiert (Auswahl)

Zeitraum Performance
Aktien (nominal)
Performance
Obligationen (nominal)
Mehr-Performance
Aktien (nominal)
2018-2019 9,52 Prozent 1,82 Prozent 7,70 Prozent
2015-2019 7,8 Prozent 1,46 Prozent 6,35 Prozent
2010-2019 8,65 Prozent 2,56 Prozent 6,09 Prozent
2000-2019 4,83 Prozent 3,26 Prozent 1,57 Prozent
1980-2019 9,04 Prozent 4,14 Prozent 4,90 Prozent
1926-2019 7,87 Prozent 4,26 Prozent 3,60 Prozent

Daten: Pictet & Cie, Dezember 2019

Und wer es ganz richtig machen will: Bei gestaffeltem, diversifiziertem Anlegen müssen die Anlagen nach Kursveränderungen auch regelmässig neu "justiert" werden. Dies geschieht in der Form eines Rebalancings – was es damit auf sich hat, erklärt cash.ch hier. Also: Wer sich für einen langfristigen Aktienplan interessiert, muss sich beim Anbieter also auch nach dem Rebalancing erkundigen.

Salomé muss also nicht auf Aktien verzichten. Sie muss nicht auf einen besseren Zeitpunkt für den Einstieg warten. Alles, was es braucht, ist die Disziplin einer langfristigen, diversifizierten Anlage - auch wenn anderen Anlagemethoden mehr Rendite ermöglichen, wird auch das gestaffelte Anlegen Salomé aller Erfahrung nach über die Jahre einen ansehnlichen Vermögenszuwachs bescheren.