Schwarzen Zahlen und Ausschüttung
Der Umsatz kletterte im Berichtssemester um fast 50 Prozent auf 174,4 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte operative Gewinn (adj. EBITDA) legte gar um 86 Prozent auf 10,1 Milliarden Dollar zu. Unter dem Strich verblieb nach dem letztjährigen Verlust nun wieder ein hoher Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar (VJ -655 Mio).
Der für Glencore wichtige Marketing-EBIT, also der operative Gewinn aus dem globalen Rohstoffhandel, lag bei 3,3 Milliarden Dollar und damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr.
Auch die Aktionäre sollen vom guten Geschäftsverlauf profitieren. Zum einen ist eine Sonderdividende von 8,5 Cent je Aktie (insgesamt 1 Milliarde Dollar) geplant, aus der Beteiligung an Bunge. Diese stammt aus dem Verkauf des Agrargeschäfts Viterra und wird von Glencore weiterhin als überschüssiges Kapital eingestuft.
Zum anderen legt Glencore ein neues Aktienrückkaufprogramm über 500 Millionen Dollar auf, das bis Februar 2027 abgeschlossen sein soll. Für das Gesamtjahr 2026 summieren sich damit die angekündigten Ausschüttungen laut Glencore auf etwa 3,5 Milliarden.
Nahost-Konflikt anders als Ukraine-Krieg
Für die hohen Wachstumsraten bei den Geschäftszahlen ist insbesondere der Nahostkonflikt verantwortlich bzw. der Anstieg der Rohstoffpreise in diesem Zusammenhang. Nagle relativierte allerdings etwas: Der Nahostkonflikt habe zwar die Märkte beeinflusst, die Situation sei aber nicht mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 vergleichbar.
Damals habe Europas Energiekrise die Kohlenachfrage massiv angeheizt, diesmal seien die Auswirkungen vor allem in Asien spürbar - allerdings bei weitem nicht in dem damaligen Ausmass. Sollte sich die Lage normalisieren, gelte das dann auch für Angebotslage und Preise.
Auch Glencore selbst spürt die Auswirkungen. «Neben den Preiserhöhungen bringt der Konflikt auch Probleme mit Blick auf Transport und Logistik», sagte CFO Steven Kalmin. So hätten allein Preiserhöhungen den bereinigten EBITDA um 3,8 Milliarden Dollar nach oben getrieben. Gleichzeitig seien die Kosten um 1,1 Milliarden gestiegen.
ASX-Listing geplant
Auch bezüglich Aktienkotierung gab es Neuigkeiten. So will der Konzern aus strategischen Gründen eine Zweit-Kotierung an der australischen Börse ASX beantragen, wobei die Zulassung bis Oktober 2026 angestrebt wird.
Eine solche Kotierung würde eine Reihe von Vorteilen bieten, erklärte der CEO. So biete der Markt Zugang zu einer erfahrenen Investorenbasis mit einer ausgewiesenen Expertise im Rohstoffsektor. Und sie stärke die Präsenz in einem der wichtigsten Märkte für Glencore und erhöhe die finanzielle Flexibilität. «Glencore ist in Australien seit über 25 Jahren aktiv und gut bekannt», betonte der Glencore-Chef. Langfristig soll das Handelsvolumen in Australien eine ähnliche Grössenordnung erreichen wie heute in Südafrika.
Gut auf Kurs für Jahresziele
Auch beim Blick in die Zukunft bleibt Glencore positiv. So wurden bereits in der Vorwoche die Produktionsziele für 2026 bestätigt. Für den Marketing-EBIT sieht sich Glencore nach dem starken ersten Halbjahr gut positioniert, um das obere Ende der langfristigen Spanne von 2,3 bis 3,5 Milliarden zu übertreffen. Rein rechnerisch sind laut CFO Kalmin rund 4,7 bis 5,0 Milliarden Dollar möglich, falls im zweiten Halbjahr der mittlere Bereich der Zielspanne erreicht wird.
An der Börse kamen die Ergebnisse insgesamt gut an. Die Titel stiegen an der London Stock Exchange am späten Vormittag um 3,5 Prozent.
(AWP)

