Der Goldpreis fällt am Mittwoch leicht um 0,7 Prozent auf rund 4625 US-Dollar pro Unze. Es sind die ersten Gewinnmitnahmen nach einer fünftägigen Kursrallye, bei welcher der Goldpreis ein Dreimonatshoch erreichte. Allein letzte Woche konnte Gold 7 Prozent zulegen.

Hintergrund: Eine angekündigte Intervention des US-Finanzministeriums am Anleihemarkt zeigte letzte Woche beim Goldpreis Wirkung. Die Massnahme hat Ängste vor einem schwächeren Dollar entfacht und Investoren veranlasst, stärker auf Edelmetalle wie Gold auszuweichen. Mit ihren am Mittwoch angekündigten Anleihekäufen will die US-Regierung die Renditen drücken und so den Schuldendienst günstiger machen. 

Seit dem Rekordhoch des Goldpreises im Januar bei knapp 5600 Dollar war die Notierung in der ersten Jahreshälfte zunächst stark gefallen. Im August hat dann aber eine deutliche Erholung eingesetzt. Seit Januar beträgt das Performance-Minus bei Gold daher nur noch 0,7 Prozent.

«Wir empfehlen Gold als defensive Anlage», sagte Mike Wilson, Chefstratege US‑Aktien bei Morgan Stanley, in einem Interview bei Bloomberg TV. «Die Leute halten Ausschau nach Anlagen, die nicht im Aktienbereich liegen und etwas mit Rohwaren zu tun haben, um Risiken im Portfolio einzudämmen», erklärt Wilson den Anstieg des Goldpreises.

Wilson wies generell darauf hin, dass das Edelmetall seit vielen Jahren bei Investoren gefragt ist: «Gold befindet sich seit 25 Jahren in einem Bullenmarkt». Im Jahr 2001 notierte der Goldpreis im Schnitt bei 271 Dollar pro Feinunze. Somit hat sich Gold seither um den Faktor 17 erhöht. Prozentual entspricht dies einem Zuwachs von 1615 Prozent.

Aus einer Kaufsumme von 8713 Dollar im Jahr 2001 ergibt sich ein heutiger Goldwert von 149'500 Dollar. Unter Einbezug der US-Inflation der letzten 25 Jahre bleibt aber immer noch ein realer Gewinn von 134'253 US-Dollar.

Aus kurzfristiger Perspektive weisen einige Experten auf ein begrenztes Aufwärtspotenzial für Gold hin - aufgrund hoher Energiepreise und anhaltender Inflationsrisiken. «Wir warnen davor, dass diese Rallye für einen erneuten Anstieg auf Rekordhochs verfrüht sein könnte», schreiben die Analysten Ryan McKay und Bart Melek von TD Securities in einer Mitteilung. 

Anleger warten derweil auf Hinweise zur Inflationspolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), um abschätzen zu können, wie es mit dem Goldpreis weitergehen könnte. Fed-Präsident Kevin Warsh wird am Freitag beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole seine erste grosse Rede halten.

(mit Material von Bloomberg und AWP)

Daniel Hügli
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