Gold-Hunger der Zentralbanken gestillt?

Dem rückläufigen Goldpreis zum Trotz kauften die Zentralbanken in den letzten Jahren wacker zu. Eine Zürcher Traditionsbank äussert nun die Befürchtung, dass dieser Hunger gestillt ist.
07.09.2015 07:55
Von Lorenz Burkhalter
Gold hat an Glanz verloren. Julius Bär rechnet nun sogar mit geringeren Goldkäufen seitens der Zentralbanken.

Die Entwicklung des Goldpreises glich in den letzten Tagen einer Achterbahnfahrt. Nachdem die Unze Ende Juli bei 1089 Dollar auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren gefallen war, schoss sie innerhalb weniger Tage um 7 Prozent nach oben. Davon ging gut die Hälfte wieder verloren. Alleine seit Ende Januar errechnet sich, in Dollar betrachtet, ein Minus von 15 Prozent.

Dabei sollte die Angst vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft dem Edelmetall eigentlich genauso helfen wie die sich abzeichnenden Verzögerungen bei der ersten Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank.

Für die Rohstoffstrategen von Julius Bär steht fest, dass das Gold für Anleger an Glanz verloren hat. Das nicht zuletzt auch deshalb, weil sie in Zukunft mit einer geringeren Nachfrage seitens der Zentralbanken rechnen. Auf einen Horizont von drei Monaten prognostiziert man bei der Zürcher Traditionsbank einen Goldpreis von 1150 Dollar je Unze, auf längere Sicht hingegen nur einen Durchschnittspreis von 1100 Dollar.

Notenbanken zunehmend unter Druck

Bankeigenen Schätzungen zufolge kauften Zentralbanken in den vergangenen vier Jahren jährlich rund 470 Tonnen des Edelmetalls. Während dieser Zeit wurden vor allem der Peoples Bank of China umfassende Goldkäufe nachgesagt. Erst kürzlich sorgte diese allerdings für Aufsehen, als sie bekanntgab, in den letzten sechs Jahren unter dem Strich "nur" 640 Tonnen des gelben Metalls erworben zu haben.

Ohne die Nachfrage seitens der Notenbanken läge der Goldpreis heute vermutlich dennoch sehr viel tiefer. Dieser Meinung sind auch die Rohstoffstrategen von Julius Bär. Aufgrund der Währungsfluktuationen, der vor-sich-hinschmelzenden Währungsreserven und der enttäuschenden Goldpreisentwicklung seien in Zukunft insbesondere die Zentralbanken aus den Schwellenländern zurückhaltender mit Goldkäufen, so die Experten.

Für sie steht deshalb fest, dass dieser Faktor die Investitionsnachfrage beim Gold zusätzlich schmälern wird. Und das nicht nur in den Schwellenländern, sondern weltweit. Das wiederum käme zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn schon die zahme Teuerung sowie die sich abzeichnende Wende bei der Zinsentwicklung in den USA sprechen für eine geringe Nachfrage nach dem gelben Metall.