Die Erhöhung der Goldpreisprognose spiegele die zunehmende Diversifizierung des Privatsektors in Goldbarren wider, zusätzlich zur bereits starken Nachfrage von Zentralbanken und börsengehandelten Fonds (ETFs), schreibt die US-Investmentbank Goldman Sachs (GS) am Mittwoch in einer Kundennotiz.
Die Bank erhöhte ihr Gold-Kursziel für Dezember 2026 von zuvor 4'900 Dollar auf 5'400 Dollar pro Unze. Die GS-Analysten wie Daan Struyven und Lina Thomas gehen davon aus, dass Privatanleger, die das gelbe Edelmetall als Absicherung gegen makroökonomische Risiken erworben haben, diese Positionen bis zum Jahresende beibehalten werden.
Zudem dürften im Gegensatz zu früheren Absicherungen, die an konkrete Ereignisse wie die US-Wahlen im November 2024 gekoppelt waren, im laufenden Jahr Positionen gegen wahrgenommene Risiken - wie beispielsweise die fiskalpolitische Tragfähigkeit, nicht vollständig aufgelöst werden und seien daher «beständiger», so die Analysten.
Der Goldpreis ist in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 70 Prozent gestiegen und hat mit einer rasanten Rallye, die sich bis in die ersten Wochen dieses Jahres fortsetzte, mehrere Rekorde gebrochen. Angesichts der dramatischen Verschiebung globaler Machtverhältnisse und der erneuten Angriffe von Präsident Donald Trump auf die US-Notenbank Federal Reserve, die das Vertrauen in deren Unabhängigkeit erschüttern, fliesst Kapital in sichere Anlagen.
Die Käufe der Zentralbanken werden 2026 voraussichtlich durchschnittlich 60 Tonnen pro Monat betragen. Analysten gehen davon aus, dass die Währungsbehörden in Schwellenländern «die strukturelle Diversifizierung ihrer Reserven hin zu Gold fortsetzen werden».
Die Goldbestände westlicher ETFs sind seit Anfang 2025 um rund 500 Tonnen gestiegen und haben damit Prognosen, die allein auf US-Zinssenkungen basierten, übertroffen. Goldman Sachs erwartet für 2026 eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Fed um 50 Basispunkte. Angesichts der wachsenden Besorgnis über die langfristige geld- und fiskalpolitische Entwicklung in den grossen Volkswirtschaften wurde der Goldpreis laut Goldman Sachs auch durch die Nachfrage im Zusammenhang mit dem sogenannten Abwertungshandel - sogenanntes «Debasement» - beflügelt. Dazu zählen physische Käufe vermögender Familien und der Kauf von Call-Optionen durch Investoren.
Die Risiken für die angehobene Prognose sind «deutlich nach oben gerichtet, da private Investoren angesichts der anhaltenden globalen politischen Unsicherheit ihre Portfolios weiter diversifizieren könnten», schrieben die Analysten. «Allerdings würde eine deutliche Reduzierung der wahrgenommenen Risiken hinsichtlich des langfristigen globalen fiskal- und geldpolitischen Kurses ein Abwärtsrisiko darstellen, falls dies zur Auflösung von Absicherungsgeschäften gegen makroökonomische Politik führen würde.»
(Bloomberg/cash)
