Die Bank senkte ihre Erwartung für die globale Referenzsorte Brent für 2027 auf durchschnittlich 80 Dollar je Barrel und ihre Schätzung für die US-Sorte West Texas Intermediate auf 75 Dollar, wie Analysten um Daan Struyven in einer Mitteilung vom 11. Juni schrieben. Goldman hob seine Förderprognosen für die Vereinigten Arabischen Emirate an, nachdem das Land die OPEC verlassen hatte, ebenso für Brasilien, Guyana und Venezuela. Zugleich erklärte die Bank, die Nachfrage im wichtigsten Importland China werde zurückgehen, auch wenn sich der weltweite Verbrauch binnen Monaten nach der Wiedereröffnung der Strasse von Hormus erholen dürfte.
«Wir gehen davon aus, dass die Nachfrageschwäche im Jahr 2027 zu etwas über 10 Prozent anhalten wird, da der Hormus-Schock den Übergang zu Ölalternativen beschleunigt, insbesondere in China, wo der Anteil von Elektrofahrzeugen am Autoabsatz seit Kriegsbeginn sprunghaft angestiegen ist», so die Analysten.
Eine Kombination aus Rekordexporten der USA, einer starken und unerwarteten Abschwächung der chinesischen Nachfrage sowie einem stetigen, wenn auch geringen Zulauf von Rohöl, das weiterhin seinen Weg durch die Meerenge findet, hat dazu beigetragen, den Grossteil des Schocks durch den Ausfall von mehr als 10 Millionen Barrel pro Tag aus dem Nahen Osten abzufedern. Ein Überschuss aus der Zeit vor dem Krieg hat den Schock ebenfalls gemildert und die Ölpreise unter 100 Dollar je Barrel gehalten.
Die Preise dürften 2027 trotz eines Überschusses von 3,5 Millionen Barrel pro Tag «resilient» bleiben, da Länder ihre Lagerbestände wieder auffüllen und ein Risikoaufschlag im Zusammenhang mit Lieferungen aus dem Persischen Golf bestehen bleibt, erklärte Goldman.
Die Bank rechnet in diesem Quartal mit einem Defizit von 5 Millionen bis 6 Millionen Barrel pro Tag. Das liegt unter dem Rückgang der Produktion von Flüssigenergieträgern im Nahen Osten um 14 Millionen bis 15 Millionen Barrel pro Tag, was auf die geringere Nachfrage und ein strukturelles Überangebot vor dem Krieg zurückzuführen sei. Goldman geht davon aus, dass sich die Ölexporte der Golfproduzenten bis Ende August normalisieren werden, im Gegensatz zu einer früheren Schätzung von Ende Juni.
(Bloomberg)

