Steigende Renditen an den US-Bondmärkten gehen zunehmend mit einem Rückgang des Goldpreises einher - im Gegensatz zu früheren Phasen, in denen Käufe durch Zentralbanken und die Nachfrage nach sicheren Häfen einen gleichzeitigen Anstieg beider Anlageklassen ermöglichten.

Die inverse Korrelation setzt sich damit wieder durch. So ist die 30-Tage-Korrelation zwischen Gold und der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf minus 0,45 gefallen. Die Betrachtung von Renditeänderungen anstelle absoluter Niveaus verringert Verzerrungen durch langfristige Trends bei Gold und Anleiherenditen und liefert ein klareres Bild des Zusammenhangs zwischen diesen beiden Anlageklassen.

Der Druck entsteht primär durch die Realrenditen. Höhere Nominalrenditen belasten den Goldpreis besonders dann, wenn die Inflationserwartungen nicht Schritt halten, wodurch die inflationsbereinigte Rendite von Staatsanleihen steigt. Dies bietet Anlegerinnen und Anlegern eine renditeträchtige Alternative zu Gold und veranlasst sie dazu, spekulative Long-Positionen aufzulösen. 

Ein stärkerer US-Dollar verstärkt diesen Effekt zusätzlich: Höhere US-Renditen ziehen Kapital in auf Dollar lautende Anlagen und erhöhen so die Kosten für Goldkäufer aus dem Ausland. Die Kombination aus positiven Realrenditen und einem starken Dollar schafft ein schwierigeres Umfeld für Gold, als es bei reinen Nominalrenditen der Fall wäre.

Zwar werden diese Dynamiken den langfristigen Aufwärtstrend des Goldpreises nicht umkehren, da Käufe durch Zentralbanken, fiskalpolitische Bedenken und geopolitische Risiken die Nachfrage weiterhin stützen dürften. Doch diese Stützungsfaktoren verlieren an Wirkung, wenn Anleger mit Staatsanleihen attraktive Realrenditen erzielen können. Gold kann zwar seinen Status als sicherer Hafen behaupten, verliert jedoch jene Aufschläge, die auf der Erwartung einer lockereren Geldpolitik beruhten.

Preisrücksetzer stellt ETF-Nachfrage auf die Probe

Die breit angelegte Schwäche bei Edelmetallen zum Wochenauftakt erhöht den Druck auf Anleger, die ihr Engagement über physisch mit Gold hinterlegte börsengehandelte Fonds (ETFs) ausgebaut haben. Jegliche Anzeichen einer nachlassenden ETF-Nachfrage würden auf weitere Preisrückgänge hindeuten, da sich die Stimmung gegenüber dem gesamten Sektor verschlechtere.

Diese Divergenz war in den letzten Wochen eines der auffälligsten Merkmale des Goldmarktes: Während die Spotpreise auf einen Monatsverlust von mehr als 5 Prozent zusteuern, sind die Bestände in physisch hinterlegten ETFs stetig gewachsen und nähern sich nun dem im Februar erreichten Mehrjahreshoch. 

Für den Goldpreis herrschte ein verständlicherweise ungünstiges Umfeld, geprägt von stetig steigenden Renditen für US-Staatsanleihen, hohen Energiepreisen und Signalen der US-Notenbank (Fed) hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen. Trotz all dem sind die ETF-Bestände - zumindest vorerst - weiter angewachsen. 

Sollte dieses ungewöhnliche Muster im letzten Quartal aufbrechen wegen Gold-ETF-Abflüssen, könnte das gelbe Edelmetall beschleunigte Kursverluste erleiden. Eine solche Entwicklung könnte einen Test der Marke von 4000 US-Dollar pro Unze in den Bereich des Möglichen rücken und den Verkaufsdruck auf Silber, Platin und Palladium verstärken.

Bloomberg
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