Der Silberwangen-Kugelfisch hat sich in den vergangenen Jahren in griechischen Gewässern stark ausgebreitet und setzt der Fischerei zunehmend zu. Grund dafür ist die Erwärmung des Mittelmeers, durch die die Art aus den tropischen Gewässern des Indischen Ozeans über den Suezkanal ins Mittelmeer eingewandert ist. Mit Zähnen, die Stahlkonserven durchbeissen können, und einem Nervengift, das 1000-mal stärker als Zyanid ist, hat der Fisch kaum natürliche Feinde.
Stavros Moraitis fischt seit mehr als drei Jahrzehnten vor der griechischen Insel Milos. Konkurrenz durch die seltene Mittelmeer-Mönchsrobbe kennt er seit Langem. Inzwischen bereitet ihm jedoch der Silberwangen-Kugelfisch grössere Sorgen. Die Art, die in Griechenland nach ihrem wissenschaftlichen Namen Lagocephalus sceleratus als Hasenkopf bezeichnet wird, bedroht die Fischerei, die für viele Küstengemeinden eine wirtschaftliche Lebensader ist.
«Er ist unersättlich und unsere Fänge sind im Vergleich zu vor nur wenigen Jahren im Durchschnitt um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen», sagte Moraitis. Er trat in die Fussstapfen seines Vaters und fischt Doraden, Zackenbarsche und Tintenfische rund um Milos sowie die benachbarten Kykladeninseln Kimolos und Polyaigos.
Massnahmen zur Bekämpfung
Mit Blick auf die zweitgrösste Fischereiflotte der Europäischen Union hat Griechenland Gegenmassnahmen eingeleitet. In einer Pilotphase stellt die Regierung 1,5 Millionen Euro als Prämie für den Fang der invasiven Kugelfische bereit. Fischer erhielten 5,33 Euro pro Kilogramm angelandeter Tiere, sagte Griechenlands Minister für ländliche Entwicklung und Ernährung, Margaritis Schinas. Angesichts der wachsenden Bestände konzentriert Griechenland die Pilotmassnahme auf Kreta und die südliche Ägäis, wo die Ausbreitung besonders stark ist.
Es ist die erste griechische Reaktion auf eine durch den Klimawandel verursachte Bedrohung durch eine gebietsfremde Art. Auf dem Spiel stehen sowohl die marine Biodiversität als auch die Existenzgrundlage von fast 16'000 Fischern. Der Kugelfisch frisst sowohl ausgewachsene Tiere als auch Jungtiere anderer Arten und konkurriert mit ihnen um Nahrung. Dadurch erhöht er den Druck auf Meeresökosysteme, die bereits unter der Erwärmung der Gewässer leiden.
Daten des Balearic Islands Coastal Observing and Forecasting System zeigen, dass die durchschnittlichen Wassertemperaturen im Mittelmeer mehr als 3°C über den langjährigen Durchschnittswerten liegen. Im Juni erreichte die globale Meeresoberflächentemperatur nach Angaben des Copernicus Climate Change Service mit 20,86°C den höchsten jemals zu dieser Jahreszeit gemessenen Wert. Verstärkt wurde dies durch ein sich entwickelndes El-Niño-Phänomen.
Die Erwärmung begünstigt zahlreiche Invasionen gebietsfremder Meeresarten. Der Indopazifische Rotfeuerfisch hat sich trotz seiner giftigen Stacheln auf Speisekarten in Zypern etabliert und sich ebenfalls in griechische Gewässer ausgebreitet. Im vergangenen Jahr landeten englische Fischer aussergewöhnlich grosse Oktopusfänge, weil sich der Nordatlantik erwärmt hatte. Das ging jedoch zulasten der Schalentiere, von denen sich die Tiere ernähren. Die Erwärmung trifft ausserdem das Plankton, die Grundlage der marinen Nahrungsketten.
Gefahr für Badegäste?
Die Fischer haben es mit einer Art zu tun, deren vier zu einem schnabelartigen Gebiss verwachsene Zähne selbst gewöhnliche Fischernetze durchbeissen können. Diese Beisskraft hat den Kugelfisch in diesem Sommer in den sozialen Medien Griechenlands in den Mittelpunkt gerückt. Dort kursierten Berichte über angebliche Angriffe auf Badegäste. Nach Angaben des Griechischen Zentrums für Meeresforschung wurde jedoch lediglich ein einziger Angriff registriert. Er ereignete sich auf Kreta vor vier Jahren.
Der Ruf des Kugelfischs wird zusätzlich durch seine Giftigkeit geprägt. Beim Verzehr kann das Nervengift Muskelschwäche, Lähmungen und Atembeschwerden verursachen, die lebensbedrohlich werden können. Während der Fisch in Japan von spezialisierten Köchen als Delikatesse zubereitet wird, ist sein Verzehr in Europa verboten.
Badende müssen sich nach Einschätzung von Giorgos Tserpes, Forschungsdirektor am Griechischen Zentrum für Meeresforschung, jedoch keine übermässigen Sorgen machen, da die Fische Menschen meiden. «Ich glaube nicht, dass eine Gefahr besteht», sagte er. Zugleich wies er darauf hin, dass die Art langfristig wahrscheinlich Teil des griechischen Ökosystems werde. «Der Klimawandel begünstigt diese Art von Fisch.»
Auch Moraitis, der zugleich Präsident des Fischereiverbands von Milos ist, geht davon aus. Selbst wenn die Fangaktion später auf ganz Griechenland ausgeweitet wird, dürften die Kosten durch möglicherweise notwendige Spezialnetze hoch bleiben und den wachsenden Bestand kaum deutlich verringern. «Die Fangaktion ist ein Schritt in die richtige Richtung, kommt aber spät», sagte Moraitis. «Der Kugelfisch wird bleiben.»
(Bloomberg/cash)

