Die Vorgaben an Grossbanken würden gemäss den überarbeiteten Entwürfen leicht sinken und sich wieder dem Niveau von 2019 annähern, sagte die für Bankenaufsicht zuständige Fed-Vizechefin Michelle Bowman am Donnerstag in Washington. Wenn die Anforderungen überzogen seien, beeinträchtige dies die grundlegende Funktion des Bankensystems, der Realwirtschaft Kredite zur Verfügung zu stellen. Bowman war im vergangenen Jahr von US-Präsident Donald Trump ernannt worden.
Für die Wall Street bedeutet die Ankündigung einen Sieg nach jahrelanger Lobbyarbeit. Analysten von Morgan Stanley zufolge verfügen die Grossbanken derzeit über ein überschüssiges Kapital von 175 Milliarden Dollar. Klarheit über die neuen Regeln könnte es den Instituten ermöglichen, diese Mittel für Kredite oder Aktienrückkäufe zu nutzen. Die Branche hatte sich vehement gegen einen Vorschlag aus dem Jahr 2023 gewehrt, der noch eine Erhöhung der Kapitaldecke um rund 19 Prozent vorgesehen hatte.
Die strengeren Vorschriften waren als Reaktion auf die Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009 eingeführt worden, um das System widerstandsfähiger zu machen. Kritiker warnten nun davor, diese Schutzmechanismen aufzuweichen. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren erklärte, der Plan schaffe unzureichende Vorschriften, die Schwachstellen im System ausser Acht liessen. Dies geschehe zu einer Zeit, in der geopolitische Schocks wie der Iran-Konflikt und sich verschlechternde Finanzierungsbedingungen die Märkte verunsicherten.

