Kurz vor neuen Handelsgesprächen hat China eine Untersuchung der US-Regierung zu Überkapazitäten scharf kritisiert und sich Gegenmassnahmen vorbehalten. Die USA hätten nicht das Recht, «einseitig» festzustellen, ob ein Handelspartner «Überkapazitäten» habe, und restriktive Massnahmen zu ergreifen, teilte das chinesische Handelsministerium am Freitag mit. China prüfe den Vorgang und behalte sich das Recht vor, «alle notwendigen Massnahmen zur Verteidigung seiner Rechte und Interessen zu ergreifen».
Die US-Regierung hatte am Mittwoch die Untersuchung angekündigt. Sie richtet sich gegen angebliche Überkapazitäten in der Industrie und gegen Zwangsarbeit. China wurde dabei als eines der Zielländer genannt, darunter auch die EU und Japan. Ein Sprecher des chinesischen Aussenministeriums wies auch den Vorwurf der Zwangsarbeit am Freitag zurück. Es handele sich um «eine von den USA erfundene Lüge».
Die Auseinandersetzung überschattet die neue Runde von Handelsgesprächen, die an diesem Wochenende in Frankreich beginnen soll. Das chinesische Handelsministerium bestätigte die Gespräche. Sie sollen den geplanten Besuch von US-Präsident Donald Trump bei seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping Ende März in Peking vorbereiten. China entsendet Vize-Ministerpräsident He Lifeng zu den Verhandlungen vom 14. bis 17. März. Für die USA werden Finanzminister Scott Bessent und der Handelsbeauftragte Jamieson Greer erwartet.
Es handelt sich um die sechste Verhandlungsrunde, seit Trump im vergangenen Jahr Zollerhöhungen gegen chinesische Produkte verhängt hatte. Die Regierung in Peking reagierte mit eigenen Zöllen und Exportbeschränkungen für wichtige Rohstoffe. Nach einer bei früheren Verhandlungen und einem Gipfeltreffen der Staatschefs Ende Oktober in Südkorea erzielten Einigung hatten beide Seiten die meisten ihrer Handelsmassnahmen wieder zurückgenommen.
Kritik auch in Indien über die Untersuchung der USA
Derweil legt Indien ein geplantes Handelsabkommen mit den USA Insidern zufolge vorerst auf Eis. Grund sei die amerikanische Untersuchung zu Überkapazitäten in der Industrie, sagten vier mit der Sache vertraute Personen. Eine Unterzeichnung des Abkommens könne sich nun um mehrere Monate verzögern. Die indischen Ministerien für Handel und Äusseres äusserten sich zunächst nicht zu den Informationen.
Ursprünglich hatte die Regierung in Neu Delhi erwartet, nach einer grundsätzlichen Einigung im Februar bereits im März ein Übergangsabkommen zu unterzeichnen. Trump hatte damals zugestimmt, die hohen US-Strafzölle auf indische Importe zu senken. Im Gegenzug hatte sich Indien etwa verpflichtet, die Einfuhr von russischem Öl zu stoppen, Zölle auf US-Waren zu senken und für 500 Milliarden Dollar US-Produkte zu kaufen.

