Die Händler bewerten am Mittwoch die ‌Wahrscheinlichkeit einer ⁠Lockerung auf der letzten Zinssitzung im Dezember laut dem FedWatch-Tool der CME Group als nahezu ausgeglichen. ⁠Einen Tag zuvor hatten sie die Wahrscheinlichkeit einer unveränderten Zinspolitik der Fed noch auf 74,5 Prozent taxiert.

Vor Kriegsausbruch im ‌Februar hatten die Märkte mehrheitlich mit zwei US-Zinssenkungen gerechnet. Charu Chanana, Chef-Anlagestrategin bei ‌Saxo, wies darauf hin, dass der Preis für ​Brent-Rohöl immer noch deutlich über dem Niveau von vor dem Krieg im Februar liege. Die Produktionsausfälle und Lieferverzögerungen könnten sich ihrer Meinung nach langsamer normalisieren, als die aktuelle Ölpreisentwicklung vermuten lasse: «Ich würde nicht davon ausgehen, dass die Märkte einfach wieder die gleiche Anzahl an Zinssenkungen einpreisen werden wie vor dem ‌Krieg. Die grössere Sorge ist, dass einige Schäden auch nach einer Deeskalation bestehen bleiben könnten.»

Die Federal Reserve hatte Mitte März und damit wenige Wochen nach Ausbruch der Kampfhandlungen im Nahen Osten den Leitzins nicht ​angetastet. US-Zentralbankchef Jerome Powell hat unlängst eine weiter abwartende Haltung in der ​Geldpolitik signalisiert. Die längerfristigen Inflationserwartungen seien trotz des aktuellen Energieschocks offenbar ​stabil. Die Zentralbank sei daher mit Blick auf die Zinspolitik nicht unter Zugzwang.

Hält die EZB im April still?

An den Geldmärkten ‌wird nunmehr auch nicht mehr mit einer Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) bereits in diesem Monat gerechnet. Dafür wird nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent eingepreist. Am Dienstag und damit vor Verbreitung der Nachricht, dass ​US-Präsident ​Donald Trump einer zweiwöchigen Feuerpause mit dem Iran ⁠zugestimmt hat, waren die Chancen auf eine Erhöhung im April noch ​auf 60 Prozent taxiert worden.

«Vor ⁠allem die deutlich gefallenen Ölpreise lassen Hoffnungen keimen, dass der Anstieg der Inflationsraten eine kurze Episode ‌bleiben wird», meint Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Die Notenbanken könnten im Falle einer nachhaltigen Entspannung der Ölpreise auch von bereits befürchteten Zinsanhebungen absehen. Nordsee-Rohöl der Sorte Brent ‌und US-Leichtöl WTI verbilligten sich nach der Ankündigung der Waffenruhe um jeweils ​rund 15 Prozent. Zuletzt lagen die Preise bei 94,94 und 96,36 Dollar je Fass (159 Liter) - dem tiefsten Stand seit Mitte und Ende März.