Die europäische Einheitswährung hat sich gegenüber der hiesigen Valuta seit dem Erreichen eines neuen Allzeittiefs von 0,8982 Franken Anfang März bis auf ein Zwischenhoch von 0,9265 Franken nach der Ungarn-Wahl aufgewertet. Seither ging es in einer Konsolidierungswelle wieder auf 0,9175 Franken runter. 

Der leichte Rückwind des Euros zum Franken ist der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geschuldet. Diese hatte an ihrer letzten geldpolitischen Sitzung vom 19. März die Formulierung zu den Devisenmarktinterventionen angepasst. Sie warnte deutlicher vor der Bereitschaft, aufgrund des Konflikts im Nahen Osten gegen einen stärkeren Schweizer Franken vorzugehen. Einzelne Marktkommentatoren gingen deshalb davon aus, dass die SNB bereits seit Anfang März am Devisenmarkt interveniert hatte. 

Die am Montag veröffentlichten Daten zeigten jedoch einmal mehr, dass die gesamten Sichteinlagen bei der SNB – ein Indikator für mögliche Interventionen – innerhalb der jüngsten Spanne geblieben sind. Dies untermauert weiterhin die Annahme, die sich auch in den Währungsreservendaten für März widerspiegelt, dass die Schweizer Währungshüter nicht aktiv am Markt agierten, wie ein Devisenexperte von Bloomberg erklärte. Diese Signale könnten Händler nun dazu ermutigen, den Kurs des Euros zum Franken wieder nach unten zu drücken, um die Entschlossenheit der SNB zu testen.

Einer dieser Händler, welcher einen tieferen Eurokurs zum Franken erwartet, ist Kit Juckes, Veteran unter den Devisenstrategen bei Société Générale (SG) in London. Er empfiehlt seinen Kunden, den Euro zum Franken leer zu verkaufen – sprich, auf eine stärkere hiesige Valuta zu setzen. «Eine deutliche Ausweitung der Zinsdifferenzen zugunsten des Euros hat das Währungspaar gestützt, doch in der Vergangenheit war dies nur vorübergehend. Wir sehen keinen Grund, dieses Mal ein anderes Ergebnis zu erwarten», begründet Juckes von Société Générale seine Entscheidung.

Die Zinsdifferenz zwischen der Eurozone und der Schweiz beläuft sich beim Leitzins auf 2,00 Prozent – sprich null Prozent beim hiesigen Leitzins und 2,00 Prozent beim Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei den langfristigen Zinsen ist die Differenz mit 2,59 Prozent noch ausgeprägter. Diese berechnet sich aus der Zinsdifferenz der zehnjährigen Bundesobligationen mit einer Rendite von 0,40 Prozent und derjenigen der deutschen Staatsanleihen mit 2,99 Prozent. 

Ähnlich sieht auch Peter Kinsella, Leiter Devisenstrategie bei der Privatbank UBP, das Potenzial des Frankens. Er prognostiziert den Euro zum Franken bis Ende Juni bei 0,91 Franken, bei 0,90 Franken Ende des Jahres und bei 0,89 Franken im März 2027. Der Dollar dürfte sich zum Franken gleichzeitig noch etwas stärker abwerten. Im März 2027 erwartet der UBP-Experte einen Kurs beim Greenback von 0,74 Franken.

Volatilität im Auge behalten

Ein wichtiger Faktor ist die Volatilität des Frankens an den internationalen Devisenmärkten. Die tiefen Werte sprechen vorerst gegen Interventionen durch die Nationalbank. Die SNB dürfte dagegen wie in der Vergangenheit gezielt am Devisenmarkt vorgehen, wenn der Franken sich rasch abwertet. Geschieht diese Abwertung so wie jetzt in kleinen Schritten, dann dürften die hiesigen Währungshüter an der Seitenlinie stehen bleiben.

Der Devisenexperte Juckes weist diesbezüglich darauf hin, dass die Volatilität am Devisenmarkt auf das Vorkonfliktniveau zurückzufallen könnte. Unsicherheit trage nicht zur Volatilität bei, und eine Krise, die die europäischen und asiatischen Volkswirtschaften deutlich stärker treffen werde als die USA, biete dem Dollar keine nachhaltige Unterstützung. Das kann entsprechend auf die hiesige Währung umgemünzt werden. Diese sollte sich stärker entwickeln, weil der starke Franken die Inflation dämpft und die Wirtschaft wegen der starken Binnenkonjunktur resilienter sein sollte als etwa diejenige in der Eurozone. 

Zwei Währungen könnten den Franken übertrumpfen

Geht es nach dem SG-Experten Juckes, dürften zwei Währungen dem Schweizer Franken die Show stehlen. Erstens profitiert die norwegische Krone von ihrem Status als Erdölwährung, einer gesunden Zahlungsbilanz, solidem Wachstum und attraktiven Zinsen und Renditen. Die Renditen machen die Krone zu einer attraktiven Long-Position gegenüber dem englischen Pfund und dem Dollar. Der Wunsch der USA nach einer schwächeren Währung erweise sich als erfolgreich, und wenn die Krise mit einem geringeren geopolitischen Risiko und hohen Ölpreisen überstanden werde, habe die norwegische Krone noch erhebliches Aufwärtspotenzial, so Juckes. 

Zweitens spreche die Zinsdifferenz weiterhin stark für den australischen Dollar, obwohl dieser durch seine Position als Importeur von Erdölprodukten gebremst werde. Der Devisenexperte von Société Générale argumentiert hier aber weiterhin, dass der «Aussie» - so bezeichnen Devisenhändler die australische Währung – nach dem Ende der Krise florieren werde. Dies gelte selbst bei anhaltend hohen Preisen, da die Devise aus Australien ein Nettoenergieexporteur sei - die Verfügbarkeit von Benzin und Kerosin sei dabei ausschlaggebend, nicht allein der Preis.

Thomas Daniel Marti
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