Einwohner der Hauptstadt berichteten von massiven Explosionen und einer verzweifelten Lage. «Heute ist es schlimmer als gestern. ‌Sie greifen den ⁠Norden Teherans an», sagte der 36-jährige Mohammadreza der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. «Wir können nirgendwohin. Es ist wie in einem Kriegsgebiet. Helft uns.» Israel bezeichnete die Angriffe als weitere Welle gegen Regierungsziele. Ein Militärsprecher erklärte, man verzeichne ⁠zwar einen Rückgang der täglichen Raketenstarts aus dem Iran, die Bedrohung bestehe jedoch weiter. «Je mehr wir den Schaden intensivieren und die Abschussrampen ausschalten, desto mehr wird die Bedrohung mit der Zeit abnehmen», sagte er. Die Trauerfeierlichkeiten für den getöteten Revolutionsführer Ajatollah Ali ‌Chamenei wurden im Iran derweil um unbestimmte Zeit verschoben, was Spekulationen über die Nachfolgeregelung und die Sicherheitslage im Inneren anheizte.

Der Konflikt weitete sich auch ‌auf See aus. Der Iran kündigte Vergeltung für einen US-Torpedoangriff auf ein iranisches Kriegsschiff vor der Küste ​Sri Lankas an, bei dem mehr als 80 Seeleute getötet worden seien. Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi erklärte, das Schiff sei ohne Vorwarnung in internationalen Gewässern getroffen worden, die USA würden diesen Präzedenzfall «bitter bereuen». Die Revolutionsgarden meldeten ihrerseits, sie hätten einen US-Tanker im nördlichen Teil des Golfs getroffen und in Brand gesetzt. Sie betonten, die Kontrolle über die Strasse von Hormus zu haben. Durch das Nadelöhr fliesst ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen.

Im Iran selbst sorgt die Nachfolge des bei den ersten Luftangriffen am Samstag getöteten Staatsoberhaupts für Unsicherheit. Die geplante dreitägige Staatstrauer wurde kurz vor Beginn abgesagt. Insidern zufolge geschah dies teilweise aus Angst vor Angriffen ‌auf die Trauergäste durch US-amerikanische oder israelische Kampfflugzeuge. Als ein aussichtsreicher Nachfolger gilt Chameneis Sohn Modschtaba, ein Hardliner. Israel hat bereits gedroht, jeden Nachfolger, der die feindselige Politik fortsetze, als legitimes Ziel zu betrachten.

Auch der innenpolitische Druck auf die iranische Spitze wächst. Das staatliche Fernsehen wurde am Donnerstag gehackt und strahlte eine Videobotschaft von Reza Pahlavi aus, dem im Exil in den USA lebenden Sohn des ​letzten Schahs. «Eine schwere Schicksalslast ruht auf unser aller Schultern. Und wir werden diesen Weg gemeinsam bis zum endgültigen Sieg gehen», sagte Pahlavi. Viele Iraner hatten den ​Tod Chameneis in sozialen Medien, aber auch auf den Strassen vor allem in der Provinz gefeiert.

In Washington stärkten die Republikaner im ​Senat US-Präsident Donald Trump den Rücken und blockierten einen Vorstoss, der die militärische Autorisierung durch den Kongress gefordert hätte. Die US-Regierung signalisierte Israel uneingeschränkte Unterstützung. Verteidigungsminister Pete Hegseth habe seinem israelischen Kollegen Israel Katz telefonisch mitgeteilt: «Macht weiter bis zum Ende – wir stehen an eurer Seite», teilte ‌die Regierung in Jerusalem mit.

Die Türkei zeigte sich besorgt über die Aktivitäten der kurdisch-iranischen Miliz PJAK. Die Gruppe bedrohe die Sicherheit des Iran und die Stabilität der Region, erklärte das Verteidigungsministerium in Ankara. Hintergrund sind Berichte über Gespräche zwischen iranisch-kurdischen Milizen und den USA über einen möglichen Vorstoss gegen staatliche Kräfte im Westen der Islamischen Republik.

(Reuters)