Auslöser sind die bislang schwersten israelischen Angriffe auf den Libanon am Mittwoch, bei denen libanesischen Angaben zufolge mehr als 250 Menschen getötet wurden. Der Iran drohte mit Vergeltung und warf Israel vor, den am Dienstag vereinbarten Waffenstillstand zu verletzen. Die USA und Israel erklärten dagegen, der Libanon sei von der Vereinbarung ausgenommen. Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi forderte die USA auf, sich zwischen einem Waffenstillstand und einem fortgesetzten Krieg durch Israel zu entscheiden. Beides zusammen sei nicht möglich.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte, die Angriffe im Libanon würden fortgesetzt. Israel habe den Finger am Abzug und sei jederzeit bereit, die Kämpfe wieder aufzunehmen. Nach Angaben des libanesischen Zivilschutzes kamen bei den israelischen Bombardements am Mittwoch landesweit 254 Menschen ums Leben, davon 91 in der Hauptstadt Beirut. Anwohner berichteten, einige der israelischen Angriffe seien ohne die üblichen Warnungen an die Zivilbevölkerung zur Evakuierung erfolgt.
Die iranische Agentur Tasnim meldete unter Berufung auf Insider, der Iran werde sich aus der Feuerpause zurückziehen, sollten die Angriffe andauern. Gleichzeitig griff der Iran einem Insider zufolge Ölanlagen in benachbarten Golfstaaten an, darunter eine Pipeline in Saudi-Arabien. Auch Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten Raketen- und Drohnenangriffe. Die strategisch wichtige Strasse von Hormus blieb für Schiffe ohne Genehmigung vorerst gesperrt.
Trotz der angespannten Lage sollen am Samstag in Pakistan Friedensgespräche stattfinden. Daran werden US-Vizepräsident JD Vance sowie der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Aussenminister Araghtschi teilnehmen. Vance sagte in Budapest, die Iraner hätten offenbar fälschlicherweise geglaubt, der Libanon sei Teil der Feuerpause. Allerdings hatte auch Pakistan, das zwischen den USA und dem Iran vermittelt hatte, davon gesprochen, dass der Libanon Teil des Abkommens sei.
Ein zentraler Streitpunkt für die Verhandlungen bleibt auch das iranische Atomprogramm. US-Präsident Donald Trump erklärte, der Iran habe zugestimmt, die Urananreicherung zu stoppen und seine Bestände zu übergeben. Ghalibaf widersprach dem und sagte, die Anreicherung sei unter den Bedingungen des Waffenstillstands weiterhin erlaubt.
An den Finanzmärkten sorgte die Feuerpause dennoch für Erleichterung: Die weltweiten Aktienindizes stiegen, während der Ölpreis um 14 Prozent auf rund 95 Dollar pro Barrel abrutschte.
Trump hatte den Waffenstillstand am späten Dienstagabend verkündet. Zuvor hatte er dem Iran ein Ultimatum gestellt und mit der Zerstörung der gesamten Zivilisation des Landes gedroht, sollte die Blockade der Strasse von Hormus nicht aufgehoben werden. Der Krieg war am 28. Februar von Trump und Netanjahu mit dem Ziel begonnen worden, das iranische Atomprogramm zu beenden und die Führung in Teheran zu stürzen. Nach fünfwöchigen Kämpfen beanspruchen nun beide Seiten den Sieg für sich. Faktisch verfügt der Iran weiterhin über sein hochangereichertes Uran sowie über Raketen und Drohnen. Auch die geistliche Führung wurde nicht gestürzt. Trump hatte das iranische Volk wiederholt aufgefordert, gegen die Führung des Landes auf die Strasse zu gehen,
(Reuters)

