In den USA könnten ‌die im ⁠November anstehenden Zwischenwahlen Impulse bringen, erklärte Vorstandschef Dominik von Achten am Mittwoch. «Im Anlauf zu Wahlen passiert in der Regel etwas auf der Bauseite, weil ⁠das ein Riesenmarkt ist, der mit Wählerstimmen zu tun hat.» In Europa sorgten staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung für Nachfrage. Zement und Beton werden für die vielerorts entstehenden Rechenzentren, ‌für neue Strassen und Brücken oder zur Sanierung der Bahn gebraucht. «Wir gehen schon davon aus, dass wir in ‌2026 eine klare Belebung auch in Deutschland sehen werden.»

Auch der Bundesverband der ​Deutschen Bauindustrie erklärte die Baurezession für beendet, da der Umsatz der Branche 2025 erstmals seit fünf Jahren stieg und sich die Auftragsbücher füllen. Öffentliche Investitionen wie das 500-Milliarden-Euro-Programm in Deutschland oder wie der Brenner-Basistunnel in Italien seien wichtige Wachstumstreiber, erklärte von Achten. Beim Absatz erwartet er für 2026 die Wende: «Wir gehen von Volumensteigerungen in den Märkten insgesamt aus.»

Mehr Gewinn trotz Absatzrückgang

Der Dax-Konzern peilt für 2026 einen Anstieg des RCO um bis zu zehn Prozent auf 3,4 ‌bis 3,75 Milliarden Euro an. Die Analystenprognose lag zuletzt schon bei 3,7 Milliarden Euro. Die Aktie gab zeitweise um vier Prozent nach.

Im vergangenen Jahr erfüllte der Dax-Konzern seine Gewinnprognose mit einem neuen Rekordwert. Das Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebs (RCO) sei dank Kostendisziplin und Preismanagement 2025 um sechs Prozent auf den Rekordwert von ​3,4 Milliarden Euro gestiegen. Seit 2022 hat Heidelberg Materials den operativen Gewinn um fast eine Milliarde Euro gesteigert - dabei brachten ​Preiserhöhungen, Einsparungen und Firmenzukäufe zwei Milliarden Euro ein, während der Absatzrückgang eine Milliarde Euro Minus verursachte.

«Unsere ​konsequente Ausrichtung auf striktes Kostenmanagement hat massgeblich zu diesem hervorragenden Ergebnis beigetragen», sagte von Achten. Das laufende Effizienzprogramm führte im vergangenen Jahr zu Einsparungen von 380 Millionen Euro, der Zielwert von 500 ‌Millionen Euro werde 2026 erreicht. Die Zahl der Beschäftigten sank trotz des Zukaufs einiger Firmen in Australien und Nordamerika um rund 2000 auf knapp 49.000. Der Umsatz lag bei rückläufigem Absatz mit 21,5 Milliarden Euro ein Prozent über Vorjahr. Vom Unternehmen befragte Analysten hatten im Schnitt einen RCO von 3,38 Milliarden Euro ​prognostiziert. Das ​Ergebnis pro Aktie verfehlte mit 10,92 Euro die Analystenschätzung von 12,09 Euro. Die Dividende ⁠für das abgelaufene Jahr werde steigen nach 3,30 Euro im Vorjahr, sagte Finanzchef Rene ​Aldach.

Klimaschutz am Bau

Das Unternehmen treibt den ⁠Umstieg auf klimafreundlichere Baustoffe voran. Nach Eröffnung der weltweit ersten Anlage zur CO2-Abscheidung und Speicherung (CCS) im Zementwerk Brevik in Norwegen setzen erste Kunden den «nahezu» CO2-neutralen ‌Zement in Leuchtturmprojekten ein. In Grossbritannien folgt die nächste Anlage. In Deutschland hängt ein CCS-Projekt am Standort Geseke seit 2023 in der Pipeline, obwohl die Europäische Union knapp 200 Millionen Euro Fördermittel zusagte. Die Rahmenbedingungen seien aber noch immer unklar, sagte von Achten.

Die Netto-CO2-Emissionen ‌sanken im vergangenen Jahr um drei Prozent auf 513 Kilogramm pro Tonne zementartigen Materials. Bis 2030 sollen es ​unter 400 Kilogramm sein. Die für Herbst angekündigte Reform des EU-Emissionshandels und deren Folgen für den CO2-Preis ist eine wichtige Rahmenbedingung für Investitionen in eine klimafreundlichere Zementproduktion. Medienberichte über eine Aufweichung des Emissionshandels hatten den Aktienkurs des Dax-Konzerns belastet. Anleger vermuteten dadurch einen Rückschlag für die Dekarbonisierung der energieintensiven Baustoffe. Ein sinkender CO2-Preis wäre ein Risikofaktor für künftige ‌Projekte, nicht aber für die aktuelle Bilanz, ​erklärte Finanzchef Aldach. 

(Reuters)