Heisse Prognose - Hebt die SNB schon 2018 den Leitzins an?

Kaum jemand erwartet eine Zinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank vor 2019. Doch eine Genfer Privatbank ist anderer Meinung.
01.11.2017 14:36
Von Ivo Ruch
Thomas Jordan, Direktor der SNB und somit Herr über die Schweizer Zinslandschaft.
Thomas Jordan, Direktor der SNB und somit Herr über die Schweizer Zinslandschaft.
Bild: ZVG

In einem aktuellen Marktkommentar schreibt die Privatbank Pictet, die Schweizerische Nationalbank (SNB) werde wahrscheinlich bereits 2018 die Zinsen erhöhen. Gründe dafür seien eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums, ein Anstieg der Inflation und die Normalisierung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

Der Pictet-Ökonom schreibt, alle diese Faktoren würden dazu führen, dass der Schweizer Franken 2018 "weniger unattraktiv" werde. Er erwartet den Euro-Franken-Kurs auf lange Sicht unter 1,20 und den Dollar-Kurs wieder gegen 93 Rappen sinken.

Ein wieder attraktiverer Franken? Genau diese Ausgangslage würde gegen eine baldige SNB-Zinserhöhung sprechen. Auch sonst ist die Pictet-Zinsprognose ziemlich gewagt. Denn der Konsens unter Marktteilnehmern lautet, dass die Europäische Zentralbank nicht vor Frühling 2019 ihre Leitzinsen anhebt - was bedeutet, dass die SNB mit einem Zinsschritt mindestens gleich lange warten muss, damit der Franken nicht unter Aufwertungsdruck gerät.

EZB bleibt vorsichtig

Anlässlich der letzten Zinsentscheidung der EZB vor rund einer Woche wurde erneut deutlich, wie weit die Zentralbank immer noch entfernt ist von der ersten Zinserhöhung seit Juli 2011. EZB-Präsident Mario Draghi und sein Team wollen die milliardenschweren Wertpapierkäufe zwar ab Januar 2018 halbieren. Sie sollen jedoch mindestens bis September 2018 fortgeführt werden. Was danach kommt, ist offen. Eine Zinserhöhung noch im selben Jahr gilt aber praktisch als ausgeschlossen.

Die SNB-Führung hat in der Vergangenheit immer wieder betont, wie wichtig ihr die Zinsdifferenz zum Euro-Raum sei, um den Schweizer Franken vor einer weiteren Aufwertung zu bewahren. Denn: Würde die SNB ihren Strafzins von aktuell -0,75 Prozent ohne vorherige Aktion der EZB in Richtung Null ansteigen lassen, hätten Investoren wieder mehr Anreize, Kapital vom Euro- in den Frankenraum zu verschieben.

Etwas mehr Spielraum hat die SNB jüngst jedoch erhalten. Seit der französischen Präsidentschaftswahl Anfang Mai hat der Franken zum Euro rund 7 Prozent an Wert verloren. Er ist somit so schwach wie noch nie seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 (siehe Chart). Daraus abzuleiten, die SNB könnte in naher Zukunft ihre Zinspolitik ändern, wäre aber etwas gar voreilig.

Der Euro-Franken-Kurs in den letzten drei Jahren (Quelle: cash.ch)

Auch die Annahme eines beschleunigten Wirtschaftswachstums in der Schweiz dürfte daran wenig ändern. Die Ökonomen der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) gehen derzeit davon aus, dass das hiesige Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr um 2,2 Prozent wachsen werde nach 0,8 Prozent im laufenden Jahr.

Somit dürften die Negativzinsen in der Schweiz noch weit mehr als ein Jahr lang Bestand haben. Mit unangenehmen Folgen: Auf Spar- und anderen Konten werden die Zinsen tief oder inexistent bleiben, Pensionskassen werden weiter mit tiefen Renditen wirtschaften müssen und die Banken werden der SNB weiterhin einen Strafzins auf parkierte Gelder abliefern müssen. In diesem Kontext kommt die Vermutung auf: Bei Pictet war der Wunsch der Vater der steilen Zinsprognose.