Herunterstufung - US-Bank ist beim Börsenüberflieger VAT beim heutigen Kurs nicht mehr wohl

Die Aktie der VAT Group schreibt wieder Kursrekorde. Nach der Credit Suisse warnt nun aber auch J.P. Morgan vor einer möglichen Verschlechterung der Auftragslage beim an der Börse beliebten Halbleiterzulieferer.
26.08.2020 08:01
Von Lorenz Burkhalter
VAT-Stand an der Semicon West in San Francisco (7.2012)
VAT-Stand an der Semicon West in San Francisco (7.2012)
Bild: ZVG

Die jüngere Firmengeschichte der VAT Group ist eine Erfolgsgeschichte, die nicht nur im St. Galler Rheintal ihresgleichen sucht. Der Halbleiterzulieferer blickt auf wachstumsreiche Jahre zurück. Auch wie das Unternehmen durch die Untiefen der Covid-19-Pandemie navigierte, ist beeindruckend. Das blieb auch an der Börse nicht unbemerkt. Erst vor wenigen Tagen stieg der Kurs der VAT-Group-Aktie in der Spitze auf gut 188 Franken und damit auf eine neue Bestmarke. Das sind in etwa 15 Prozent mehr als Ende Dezember.

Wie J.P. Morgan in einer 16 Seiten starken Unternehmensstudie schreibt, lässt sich das Kurs- und Bewertungsniveau mittlerweile allerdings kaum noch rechtfertigen. Die bekannte US-Investmentbank senkt ihr Anlageurteil deshalb von "Neutral" auf "Underweight". Das kommt einer Verkaufsempfehlung gleich. Am 165 Franken lautenden Kursziel hält sie indes fest.

Berechnungen von J.P. Morgan zufolge weist die Aktie (EV/EBITDA von 24) einen deutlichen Bewertungsaufschlag gegenüber den Aktien von Grosskunden wie Applied Materials (EV/EBITDA von 11) oder Lam Research (EV/EBITDA von 12) auf.

Auch die Credit Suisse warnt vor dem Branchenzyklus

Doch das ist nicht das einzige Argument, welches die US-Investmentbank in die Waagschale wirft. Von den zuletzt vorsichtigen Aussagen von Branchengrössen wie Western Digital oder Micron Technology schliesst sie auf ein Überangebot in den Absatzmärkten von Grosskunden der VAT Group. Das wiederum könnte sich früher oder später für den Zulieferer aus dem Rheintal und seine Auftragsbücher rächen.

J.P. Morgan ist übrigens nicht die einzige Bank, die sich mit dem Branchenzyklus beschäftigt. Wie die Credit Suisse kürzlich schrieb, wird die Zyklizität der VAT Group unterschätzt (der cash Insider berichtete). Die Grossbank sieht den Branchenzyklus im Laufe des nächsten Jahres nach unten drehen und rät deshalb mit "Underperform" zum Verkauf der Aktie des Halbleiterzulieferers. Vom Kursziel von 139 Franken lässt sich gar auf ein Abwärtspotenzial von 25 Prozent schliessen.

Ob der Grossaktionär Rudolf Maag mit den Zyklen der Halbleiterindustrie vertraut ist, ist nicht bekannt. Maag gilt nämlich als Pionier im Bereich Medizinaltechnik, einem völlig anderen Wirtschaftszweig. Der Grossaktionär hält gut 10 Prozent an der VAT Group.