Der Milchverarbeiter Hochdorf steckt bis über beide Ohren in hausgemachten Problemen. Als das Unternehmen vor gut einer Woche einen satten Halbjahresverlust einräumen musste, sprach sogar es selber von einer "ernstzunehmenden Krise". Die Aktie ging alleine an diesem Tag um fast 28 Prozent tiefer bei 53 Franken aus dem Handel.

Seither konnte sich die Aktie wieder etwas aufrappeln. Sie notierte zuletzt bei 63 Franken. Doch nun folgt der nächste Dämpfer für die Aktionäre: In einer Unternehmensstudie warnt der Chefanalyst von Research Partners davor, dass die Aktionäre und die Hybridkapitaleigner leer ausgehen könnten. Deshalb streicht er das Kursziel auf gerade einmal 10 (zuvor 75) Franken zusammen und bekräftigt seine Verkaufsempfehlung für die Aktie.

Zum Vergleich: Noch vor nicht allzu langer Zeit, nämlich Anfang 2017, verzeichnete die Aktie ein Rekordhoch von 340 Franken.

Eine Kapitalerhöhung gilt als so gut wie sicher

Der Analyst begründet diesen drastischen Schritt mit dem schwachen Semesterergebnis, das selbst die bereits sehr negativen Erwartungen aufgrund von Wertberichtigungen klar verfehlt hat. Schwer enttäuscht zeigt er sich insbesondere vom Ergebnisbeitrag der 51-Prozent-Tochter Pharmalys.

Kursentwicklung der Hochdorf-Aktie seit dem Börsengang vom Mai 2011 (Quelle: www.cash.ch)

Wie der Analyst vorrechnet, beträgt der Unternehmenswert inklusive Hybridkapital zu aktuellen Kursen gut 400 Millionen Franken. Seines Erachtens erfolgt eine Rettung nur unter der Bedingung einer Kapitalerhöhung. Dass der Milchverarbeiter von einem Interessenten übernommen wird, hält der Analyst zudem für eher unwahrscheinlich.

Grossaktionärin hat kräftig Aktien zugekauft

Noch hat sich Hochdorf etwas Zeit verschafft. Das Unternehmen konnte den Konsortialkredit über 151 Millionen Franken bis Ende Oktober verlängern. Eigenen Angaben zufolge strebt Hochdorf eine Verlängerung des Kredits sowie eine Aufstockung um 40 Millionen Franken an. Ob das Bankenkonsortium hierfür Hand bietet, und wenn ja unter welchen Voraussetzungen, wird sich zeigen müssen.

In den letzten Tagen sorgte eine Beteiligungserhöhung durch die langjährige Grossaktionärin Stichting General Holdings für Gesprächsstoff. Der niederländische Hedgefonds ist auf den Tag genau seit vier Jahren an Hochdorf beteiligt. In den Wochen vor dem tiefroten Halbjahresergebnis baute die Grossaktionärin ihr Aktienpaket von 5,8 auf 15,5 Prozent aus. Einige Beobachter sehen darin nun eine "Alles-oder-Nichts-Wette". Neben Stichting General Holdings zählt auch die ZMP Invest AG mit 14,5 Prozent zu den bedeutendsten Aktionären.

Freude dürfte den beiden Grossaktionären die Kursentwicklung nicht bereiten. Gegenüber dem Stand von Ende Dezember errechnet sich bei der Hochdorf-Aktie ein Minus von fast 40 Prozent, seit dem Einstieg der Stichting General Holdings im August 2015 gar eines von 58 Prozent.