Der Chipkonzern AMD und SuperMicro, ein Anbieter von KI-Servern, waren das Gesprächsthema im nachbörslichen Handel am Dienstag in den USA. Die Aktie von AMD sprang nachbörslich um 11 Prozent in die Höhe. Im vorbörslichen Handel am Mittwoch steigt der Titel sogar um 19 Prozent. Der Titel von SuperMicro stieg am Dienstag nachbörslich um 18 Prozent und verzeichnet ebensolche Gewinne im Vorbörsen-Handel am Mittwoch. 

Grund waren bei beiden Unternehmen Angaben zum Geschäftsverlauf. Advanced Micro Devices (AMD), dem führenden Konkurrenten von Nvidia im Bereich KI-Chips, peilt für das zweite Quartal einen Umsatz von 10,9 bis 11,5 Milliarden Dollar an. Gemessen am Mittelwert bedeutet dies ein Plus ‌von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Durchschnitt mit 10,5 Milliarden US-Dollar gerechnet. AMD gab zudem starke Prognosen für das langfristige Wachstum ab.

Die Aktie hatte vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen in diesem Jahr bereits 66 Prozent zugelegt und dürfte ein Rekordhoch erreichen, wenn sich die Kursgewinne im regulären Handel am Mittwoch fortsetzen. Der positive Ausblick signalisiert, dass das Unternehmen Aufträge von den grössten Investoren im Bereich KI-Computing erhält. Obwohl Nvidia weiterhin der dominierende Anbieter von KI-Prozessoren ist, suchen Rechenzentrumskunden zunehmend nach Alternativen – ein Trend, der AMD zugutekommt.

AMD hat ‌sich in den vergangenen Monaten zahlreiche Lieferverträge für die ​Ausrüstung von Rechenzentren gesichert. Allein die Facebook-Mutter Meta bestellte Prozessoren im Volumen von 60 Milliarden Dollar.

SuperMicro: Kaum Kundenverluste wegen Rechtsstreit 

SuperMicro hat ebenfalls Zahlen bekannt gegeben, die über den Erwartungen des Marktes lagen. Der Gewinn je Aktie wird im Zeitraum bis zum 30. Juni zwischen 65 und 79 Cent liegen, teilte SuperMicro mit. Der Umsatz im vierten Geschäftsquartal wird voraussichtlich zwischen 11 und 12,5 Milliarden US-Dollar betragen. Von Bloomberg befragte Analysten hatten im Durchschnitt lediglich einen Gewinn von 57 Cent bei einem Umsatz von 11,2 Milliarden US-Dollar prognostiziert.

Der Absatz der mit Nvidia-Chips ausgestatteten Server von SuperMicro ist stark gestiegen, da Kunden ihre Kapazitäten für das Training und die Ausführung von KI-Aufgaben erweitern wollen. Mit der Markteinführung neuer Nvidia-Prozessoren investieren SuperMicro und seine Wettbewerber wie Dell Technologies und Hewlett Packard Enterprise, um Aufträge zu gewinnen und neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen.

Ein kürzlich aufgetretener Rechtsstreit hatte zudem die Befürchtung genährt, dass die Kunden von SuperMicro zu anderen Anbietern wechseln könnten. Die Prognose für das letzte Geschäftsquartal deutet aber darauf hin, dass die Nachfrage in einem Markt mit begrenztem Angebot und damit eingeschränkten Kaufmöglichkeiten weiterhin positiv ist.

Im März erhoben US-Staatsanwälte zudem Anklage gegen den Mitbegründer Yih-Shyan Liaw wegen illegaler Umleitung von Nvidia-Servern im Wert von Milliarden Dollar nach China. Dies verstiess gegen US-Exportkontrollen und führte zu einem Kurssturz der Aktien. Super Micro selbst ist nicht angeklagt.

Ausserdem kämpft SuperMicro seit August 2024 mit Problemen bei der Finanzberichterstattung. Zuerst war es eine verpasste Frist zur Einreichung des Jahresabschlusses, der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young trat aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Unternehmensführung und Transparenz zurück, und im vergangenen Jahr wurden Mängel im Finanzkontrollsystem aufgedeckt.

Die Aktie steht in diesem Jahr mit 5 Prozent im Minus.

(Bloomberg/cash/Reuters)