«Viele von Ihnen haben die Medienberichterstattung nach der Investorenveranstaltung in Hongkong verfolgt, insbesondere die Berichte über Automatisierung, KI und Veränderungen bei der Belegschaft», schrieb Bill Winters am Mittwoch in einem Memo an die Mitarbeiter, das Bloomberg News vorliegt. «Ich weiss, dass das beunruhigend wirken kann, wenn es auf einfache Schlagzeilen oder ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat reduziert wird.» Ein Sprecher von Standard Chartered bestätigte das Memo.

Die Äusserungen von Winters fielen am Dienstag, als die in London ansässige Bank bekannt gab, in den kommenden vier Jahren fast 8000 Stellen abzubauen. Standard Chartered gehört damit zu den ersten globalen Banken, die konkret darlegen, wie KI den Personalbestand verringern soll.

«Es geht nicht um Kostensenkungen; in einigen Fällen ersetzen wir Humankapital mit geringerem Wert durch das Finanzkapital und Investitionskapital, das wir einsetzen», hatte Winters bei einer Veranstaltung am Dienstag gesagt. Betroffene Mitarbeiter würden frühzeitig «klare und gute Vorankündigungen» erhalten.

Die Wortwahl löste in sozialen Medien und in Asien scharfe Kritik aus. Die Region erwirtschaftet den Grossteil der Gewinne der Bank.

Zu den Kritikern gehörte auch die frühere Präsidentin Singapurs, Halimah Yacob. Sie verurteilte die Wortwahl des Managers in einem Facebook-Beitrag und bezeichnete es als «verstörend», Beschäftigte in derart klinischen Begriffen zu beschreiben. Singapur und Hongkong sind die wichtigsten Standorte für die globalen Aktivitäten von Standard Chartered.

In einem LinkedIn-Beitrag nach der Veranstaltung in Hongkong ging Winters weder direkt auf KI noch auf den Stellenabbau ein. Dennoch hinterliessen einige Nutzer scharfe Kommentare.

«Sie nennen Menschen ‘Humankapital mit geringerem Wert’? Ich lebe in Hongkong und werde niemals Geschäfte mit Ihrer Bank machen», schrieb ein Kommentator. In seinem Memo vom Mittwoch an die Mitarbeiter schlug Winters einen versöhnlicheren Ton an und betonte das Engagement der Bank für den Wandel ihrer Belegschaft.

«Wir werden weiterhin in Technologie, Plattformen und Automatisierung investieren, um unsere Arbeitsweise zu verbessern, Kunden besser zu bedienen und die Bank für langfristiges Wachstum zu positionieren», sagte Winters. «Ich möchte unmissverständlich klarstellen, dass die Zukunft von Standard Chartered vom Talent, Urteilsvermögen, den Beziehungen und dem Engagement von Ihnen, unseren Kolleginnen und Kollegen, abhängt.»

(Bloomberg/cash)

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