Die Meldung des sofortigen Abtritts von Idorsia-Firmenchefin Srishti Gupta kommt am Montag überraschend und verunsichert die Marktteilnehmer. Die Aktie von Idorsia verliert im frühen Handel 16 Prozent auf 2,87 Franken. Das ist der tiefste Stand seit Anfang September 2025.

Gupta hatte die Stelle bei Idorsia im Juli 2025 angetreten. Bis zur Ernennung einer Nachfolge übernimmt der Gründer und langjährige Chef Jean-Paul Clozel, der derzeit Präsident des Verwaltungsrats ist, die Verantwortung für das Tagesgeschäft.

«Am Ende lief es darauf hinaus, dass der Verwaltungsrat und Frau Gupta unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, wie das Unternehmen am besten geführt werden sollte», sagte ein Idorsia-Sprecher auf Anfrage von AWP. «Es ist entscheidend, dass das Management mit den Ambitionen des Verwaltungsrats und mit dessen Vorstellungen darüber, wie die Entwicklung des Unternehmens beschleunigt werden soll, im Einklang steht - und dass alle in die gleiche Richtung ziehen.»

Der Gründer und ehemalige Chef von Idorsia sei überzeugt, dass in Idorsia deutlich mehr Wert stecke, sagt der Sprecher weiter. «Er möchte den Fokus auf langfristige Wertschöpfung legen.» Letztlich wolle Clozel, das Unternehmen schneller voranbringen.

Der Verwaltungsrat hat die Suche nach einem neuen Unternehmenschef gestartet. Clozel dankt in dem Communiqué Gupta «für ihre bedeutenden Beiträge, die sie sowohl als CEO als auch als Verwaltungsratsmitglied in einer wichtigen Phase der Entwicklung von Idorsia geleistet hat». Der Generalversammlung am 6. Mai 2026 werde der Verwaltungsrat bald neue unabhängige Kandidaten zur Wahl vorschlagen.

Idorsia verringerte im letzten Geschäftsjahr den Reinverlust auf 112 Millionen Franken von 264 Millionen Franken minus im 2024. Der Umsatz kletterte 2025 auf 221 Millionen Franken von 113 Millionen. Idorsia hat im vergangenen Jahr die Zahl der Mitarbeitenden weltweit um mehr als 200 Stellen reduziert.

Schon seit Jahren im Verwaltungsrat

Die Wahl Guptas hatte im vergangenen Jahr Wellen geschlagen. Die Ärztin war bereits seit 2021 im Verwaltungsrat von Idorsia und hatte zudem 18 Jahre für McKinsey & Company als Führungskraft in den Bereichen Pharmazie und globale Gesundheit gearbeitet. Vor allem aber die hatte die Tatsache, dass sie mit dem Novartis-CEO Vas Narasimhan verheiratet ist, immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.

Gupta war vor allem mit dem Ziel angetreten, Idorsia nach zahlreichen Rückschlägen und Negativschlagzeilen auf die Erfolgsbahn zurückzubringen. Es ist ihr gelungen, die Umsatzentwicklung mit dem Schlafmittel Quviviq, dem wichtigsten Umsatzträger, anzukurbeln. Zudem hat sie die Pipeline gestrafft und den Fokus auf vielversprechende Kandidaten gelegt.

Wie Finanzchef Arno Groenewoud Ende Februar sagte, sind die Quviviq-Umsätze vor allem dank eines anhaltend starken Geschäftes in Europa gestiegen. Für das bereits laufende Jahr geht Idorsia davon aus, die Einnahmen mit Quviviq noch weiter zu steigern. Unternehmenschefin Srishti Gupta sprach gar von Blockbusterpotenzial. Schleppende Umsätze sind bei Quviviq aber vor allem in den USA zu verzeichnen.

Anfang Dezember 2024 kosteten die Aktien von Idorsia noch 64 Rappen

Anfang Dezember 2024 kosteten die Aktien von Idorsia noch 64 Rappen. Man musste Schlimmes befürchten für die Aktien des Unternehmens mit Sitz in Allschwil BL. Dann stiegen sie bis auf 4,70 Franken im letzten Oktober. Hintergrund: Mit einem Aufschub von Wandelanleihen mit Laufzeiten bis 2025 und 2028 um weitere zehn Jahre hatte sich Firmenchefin Gupta gleich nach Amtsantritt Freiraum geschaffen für die operative Entwicklung der Firma.

Idorsia ist das Resultat einer im Jahr 2017 getätigten Übernahme von Actelion durch Johnson & Johnson (J&J). Die Käufer waren an den Blockbuster-Medikamenten des Biotech-Konzerns interessiert, nicht aber an der risikoreichen Forschung und Entwicklung. Diese wurde gebündelt und als Idorsia ausgegliedert. Als Teil der Transaktion stellte J&J eine Milliarde Franken für die Fortsetzung der Forschung im neuen Unternehmen bereit.

Mit der Abspaltung verlor Idorsia zeitweise 93 Prozent ihres Börsenwertes. Ursachen waren das Ausbleiben des Durchbruchs, eine wenig überzeugende Pipeline und ein schwindendes finanzielles Polster.

(cash/AWP)