Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli auf 86,6 Punkte, nach ⁠85,7 Zählern im Vormonat und damit das dritte Mal in Folge, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9000 ‌Führungskräften mitteilte. Ökonomen hatten nur mit 86,0 Punkten gerechnet. «Trotz der unsicheren Lage ‌am Persischen Golf zeigt sich die deutsche Wirtschaft weniger pessimistisch», erklärte ​Ifo-Chef Clemens Fuest. Die Firmen blicken zwar etwas skeptischer auf ihre Lage als zuletzt, bewerten ihre Geschäftsaussichten aber optimistischer.

Im Nahen Osten waren die Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran zwischenzeitlich wieder aufgeflammt und hatten für steigende Ölpreise gesorgt. Auch der Transport von Öl, Gas und Rohstoffen durch die für die internationalen Lieferketten so wichtige Strasse ‌von Hormus läuft noch lange nicht wieder so wie vor dem Iran-Krieg. Eine tragfähige Öffnung der Schiffspassage gilt als wichtiger Impuls für die seit Monaten unter hohen Energiepreisen ächzende Wirtschaft.

«Die deutsche Wirtschaft ist bereit, Schwung aufzunehmen», sagte Ifo-Umfragechef ​Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. «Für die Gesamtwirtschaft zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend ab.» Die Stimmung ​verbesserte sich querbeet durch die Branchen: in der Industrie, bei den ​Dienstleistern, im Handel und am Bau. «In der Industrie kehrt die Hoffnung zurück», betonte Wohlrabe. Die Betriebe berichteten von einer besseren Nachfrage. «Insbesondere die Erwartungen ‌erlebten einen deutlichen Schub», erklärte das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut.

Ökonom: «Die Durststrecke ist nicht vorüber»

«Der deutliche Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas ist nur bedingt aussagefähig», warnte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Denn die meisten Unternehmen hätten die Umfrage vor dem massiven Ölpreisanstieg der beiden vergangenen Wochen beantwortet. «Aber zumindest ​zeigt ​der Anstieg, welches Erholungspotenzial vorhanden ist, falls sich die ⁠USA und der Iran einigten und die Strasse von Hormus dauerhaft geöffnet würde.» ​Leider dürfte der Weg ⁠zu einer Verständigung jedoch lang und holprig werden - «sodass die Konjunktur auch im zweiten Halbjahr unter den hohen Energiepreisen leiden ‌wird.»

Ähnlich mahnend äusserte sich Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Bank Bethman HAL: «Im tiefen Keller brennt noch Licht - auf dem niedrigen Niveau ist die bessere Stimmung aber kaum wahrnehmbar.» Die neue Eskalation ‌im Iran-Krieg dürfte ein besseres Ergebnis verhindert haben. «Auch das Reformpaket der Bundesregierung hat eine ​Stimmungsrakete nicht gezündet.» Die Laune der Unternehmen dürfte erst dann besser werden, wenn die Energiepreise deutlich fielen. «So oder so dürften Monate vergehen, bis die Stimmung das Niveau vor Ausbruch des Iran-Krieges erreicht», sagte der Experte. «Die Durststrecke ist also nicht vorüber.» 

(Reuters)