Der Ifo-Index sank ⁠im April auf 84,4 Punkte, nach revidiert 86,3 Zählern im März, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag ‌zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Dies ist ‌der niedrigste Stand seit Mai 2020 - einer ​Zeit also, in der die Pandemie die Wirtschaft im Würgegriff hielt. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten für April dieses Jahres nur mit einem Rückgang des Ifo-Barometers auf 85,5 Punkte gerechnet.

Die Firmen blicken erheblich pessimistischer auf die kommenden Monate. Sie bewerten ‌auch ihre aktuelle Lage schlechter. «Die Iran-Krise trifft die deutsche Wirtschaft hart», sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Der Umfrage-Chef des Münchner Instituts, Klaus Wohlrabe, sagte Reuters, die hiesige Wirtschaft verliere die Zuversicht: «Es ​gibt kaum Lichtblicke in diesem Monat. Die Unsicherheit frisst sich durch ​die deutsche Wirtschaft.» Der Energiepreisanstieg infolge des Nahost-Krieges ​hat bereits die Inflation nach oben getrieben und bremst auch die Wirtschaft aus. Darauf lässt das jüngst veröffentlichte ‌Barometer von S&P Global schliessen, bei dem Manager die Geschäftsbedingungen beurteilen.

Die Bundesregierung halbierte kürzlich ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,5 Prozent. Laut Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kämpft die Wirtschaft ​im Zuge ​des Iran-Krieges zwar mit zunehmendem Gegenwind. ⁠Eine Rezession sei jedoch nicht zu erwarten.

Laut dem Ifo-Experten ​Wohlrabe dürfte die Wirtschaft ⁠im laufenden zweiten Quartal bestenfalls stagnieren. Im schlimmsten Fall werde sie um 0,1 oder ‌0,2 Prozent zum Vorquartal schrumpfen.

Mit dem Einbruch der Erwartungen über die vergangenen zwei Monate sei der Aufschwung quasi wieder «auf Null» zurückgesetzt, meint KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher: «Das ‌heisst nicht, dass eine Erholung im Laufe des Jahres – getrieben ​durch den Fiskalimpuls – nicht möglich bleibt.» Aber eine notwendige Bedingung hierfür sei eine baldige Öffnung der Meerenge am Persischen Golf und eine graduelle Normalisierung der Energiepreise.

(Reuters)