Am Dienstag fielen die Valoren von Centiel um 3,3 Prozent auf 5,88 Franken zurück. Inzwischen beträgt der Rückstand zum Hoch bei 8,92 Franken von Ende Juni gut 34 Prozent. An zehn der vergangenen elf Handelstagen sind die Aktien des Anbieters von unterbrechungsfreien Stromversorgungssystemen gesunken.

Beim aktuellen Wert von 5,88 Franken haben die Titel auch das tiefste Kursziel aller von der Nachrichtenagentur AWP erfassten Preisziele unterschritten - jenes von 6,20 Franken, das der zuständige Analyst von Octavian Ende Mai gesetzt und mit einer Kaufempfehlung unterstrichen hatte.

Damit ist auch gesagt, dass der Kursverfall der zurückliegenden Tage allzu stark gewesen sein dürfte und es am Mittwoch wieder nach oben gehen kann. Denn auch gemessen am durchschnittlichen Kursziel von 6,89 Franken ist die Aktie mehr Wert als die momentane Notierung.

Zürcher Kantonalbank sieht auch weiterhin Erfolgschancen bei Rechencentern

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) stuft die Valoren von Centiel mit «Übergewichten» ein und veranschlagt den fairen Wert sogar bei 9,20 Franken. Die Angabe zum fairen Wert deutet einen mittelfristigen Zuwachs der Anteilsscheine von etwas mehr als 56 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag an.

Der zuständige Analyst, Florian Sager, hatte Centiel Anfang Juli im Zusammenhang mit Rechenzentren besprochen. Für solche stellt das in Lugano ansässige Unternehmen Systeme zur unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) bereit.

Die ZKB zeigte auf, warum Centiel erfolgreich sein kann, obwohl sich für das Unternehmen Risiken bei sogenannten 800-Volt-Gleichstrom-Rechenzentren («800 VDC») ergeben haben. Solche Datencenter binden USV-Funktionen in die Gleichstromplattformen ein, wodurch die Module von Centiel verdrängt werden: «Kaufentscheidungen verlagern sich von eigenständigen USV-Geräten hin zu Komplettsystemen und grosse Integratoren wie ABB und Eaton werden strukturell begünstigt», schrieb ZKB-Analyst Sager und führte aus: «Dies macht 800 VDC zum zentralen technologischen Risiko für Centiel.»

In einem Bären-Szenario resultiert laut der Zürcher Kantonalbank ein fairer Wert je Centiel-Aktie von 4,90 Franken.

Der zuständige ZKB-Experte ist jedoch der Ansicht, dass Centiel im Umfeld von 800-VDC-Rechencenter relevant bleiben wird, wenn das Unternehmen anstatt klassischer USV-Geräten ebenso zuverlässige Lösungen liefert, die sich in die Architekturen grosser Integratoren wie ABB einbinden lassen und sodann in den Rechenzentren zum Einsatz kommen.

Hebt das Management im August die Guidance an?

Das Centiel-Management um CEO Gerardo Lecuona schürte schon Anfang Juni Hoffnungen auf Erfolg im Feld der dank Künstlicher Intelligenz boomenden Datencenter.

Denn durch die damals bekannt gegebene Vertriebspartnerschaft mit dem US-Unternehmen Neo Critical Power will Centiel in den amerikanischen Rechencenter-Markt vorstossen - was sich in der Tat lohnen kann: Laut dem zuständigen UBS-Analysten dürften die Umsätze von Centiel in den kommenden drei Jahren aufgrund der Partnerschaft um 115 Millionen Franken steigen. Zugleich aber dürften die operativen Margen wegen der Vertriebspartnerschaft enger ausfallen als bei einem Direktvertrieb.

Lecuona wertete das Zusammenspannen von Neo Critical Power und Centiel als wichtigen Meilenstein. Der Centiel-CEO sieht denn auch ein deutliches Upside gegenüber den bestehenden Umsatzerwartungen - und will zum Halbjahresbericht eine aktualisierte Guidance vorstellen. Der Semesterabschluss wird am 20. August veröffentlicht.

Reto Zanettin
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