300 Tage: So lange ist Jens Vollmar bald im Amt als CEO bei Implenia. «Er hat die Strategie seines Vorgängers André Wyss seit seinem Amtsantritt Anfang April 2025 konsequent weiterverfolgt und in Teilen beschleunigt», fasst Anja Felder, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank (SGKB), seine bisherige Amtszeit zusammen.
Implenia überzeugte den Markt mit den Zahlen zum 1. Halbjahr 2025, in dem der operative Gewinn und die entsprechende Marge gestiegert werden konnten. «Der Markt zeigte sich erfreut über diese Entwicklung, was das Vertrauen der Investoren in Jens Vollmar als neuen CEO weiter gestärkt haben dürfte.»
Nach 289 Tagen hat der CEO nun eine gewagte Aussage getätigt, die Investoren weiter Hoffnung geben dürfte. «Wir können doppelt so gross werden!», so Vollmar an der Immo26, der Schweizer Immobilienmesse für Investoren, am Mittwoch. Diese Antwort lieferte er auf die Frage «Was willst du mit Implenia erreichen?» in einem «Fragefeuer» am Ende eines 25-minütigen Talks, also kurze Fragen, schnelle Antworten.
Natürlich ist so eine Aussage mit Vorsicht zu geniessen, sofern kein Zeithorizont und keine konkrete Kennzahl genannt wurde. Er dürfte sich jedoch auf zentrale Kennzahlen, die das Unternehmenswachstum messen, bezogen haben - sprich den Umsatz, Gewinn, Marktanteile oder Unternehmensgrösse. Der 41-Jährige ist seit mehr als 10 Jahren bei Implenia tätig und hat laut Schweizer Gesetz noch 24 Jahre Arbeitsmarkt vor sich - viel Zeit, um das ambitionierte Ziel zu erreichen.
Ganz abwegig ist die Aussage des CEOs nämlich nicht. Immerhin verdoppelte sich die Aktie seit seinem Amtsantritt von 40,80 Franken auf 82 Franken im Januar - hier wäre das Verdopplungsziel schon mal erreicht. Ausserdem stehen die Chancen auch auf die Geschäftstätigkeiten gut. Insbesondere in der Schweiz erhöhen sinkende Zinsen die Investitionsbereitschaft im Immobilienmarkt, und in Deutschland dürfte sich das 500-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket positiv auswirken.
«Entscheidend wird nun sein, inwieweit sich das deutsche Infrastrukturprogramm tatsächlich in den künftigen Zahlen widerspiegeln wird. Wir gehen davon aus, dass spürbare Effekte frühestens ab 2027 sichtbar werden», betont die SGKB-Expertin. Zudem sei es zentral, dass die geplanten Investitionen tatsächlich umgesetzt werden und Implenia sich im Wettbewerb erfolgreich durchsetzen kann. Die klare Fokussierung auf profitables Wachstum sei der richtige strategische Weg.
Am Donnerstag verkündete der Konzern neue Aufträge in Deutschland und Norwegen für 350 Millionen Euro. Bereits bei der Publikation der Halbjahreszahlen wuchs der Auftragsbestand um 9,8 Prozent auf 7,8 Milliarden Franken. Anja Felder von SGKB ist optimistisch: «Aus unserer Sicht wird Implenia auch künftig in der Lage sein, den operativen Gewinn weiter zu steigern und mittelfristig die Zielsetzung einer Marge von über 4,5 Prozent zu erreichen.» Die Erwartungen an Implenia und ihren CEO Jens Vollmar sind entsprechend hoch.
Starke Projekt-Pipeline
Vorhergehend zum Fragefeuer wurde Vollmar etwas ausführlicher über seine ersten Monate als CEO ausgefragt. Eines seiner Highlights waren demnach die vielen spannenden und abwechlsungsreichen Projekte des Baukonzerns, insbesondere Infrastrukturprojekte. «Es gelang Implenia unter Jens Vollmar, bedeutende Grossprojekte zu gewinnen, was sich positiv auf den Auftragseingang und die Visibilität der künftigen Umsätze auswirken dürfte», unterstreicht Felder.
Speziell dürfte der gebürtige Deutsche das Bahnprojekt zwischen Zürich und Winterthur gemeint haben. Der Bund plant eine Doppelspurlinie durch den Brüttenertunnel sowie den Ausbau der Bahnhöfe Dietlikon, Bassersdorf, Wallisellen und Winterthur Töss.
Auch die Divisionszusammenlegung von vier auf drei spricht der neue CEO an der Immo26 als Höhepunkt aus. Diese war laut seiner Aussage wohl relativ «einfach». Dass es mehrheitlich einzelne Unternehmen waren, hat zu einer reibungslosen Umstellung beigetragen, wie Vollmar betont.
So wurden die Immobiliendivision Real Estate und die Division Buildings zur Einheit «Buildings» gebündelt. Dazu kommen die Division Civil Engineering und die neue Division Service Solutions, welche beispielsweise den Immobiliendienstleister Wincasa umfasst.
In Bezug auf die niedrigen Margen im Baugeschäft entgegnete Jens Vollmar: «Die Branche leidet strukturell darunter, dass sich ausführende Unternehmen häufig nur über den Preis unterscheiden können. Diesen Weg wollen wir bewusst nicht gehen.» Stattdessen setze Implenia auf eine stärkere Differenzierung über ausgewählte Projekte in spezialisierten Bereichen.

