Kaum eine Zahl bringt den Zustand der deutschen Wirtschaft so gut auf den Punkt wie die Industrieproduktion. Die industrielastige deutsche Volkswirtschaft ist auf eine gutausgelastete Produktion angewiesen, um auf vernünftige gesamtwirtschaftliche Wachstumsraten zu kommen, schreibt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, in einem Kommentar.
Der Blick auf die Industrieproduktion des laufenden Jahres ist dabei alles andere als erbaulich und spiegelt dabei auch das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts gut wider. Die Industrieproduktion war im Jahr 2023 bislang lediglich drei Mal im Plus gegenüber dem jeweiligen Vormonat. In allen anderen Fällen stand ein Minus zu Buche. Der Produktionsrückgang im September ist der fünfte in Folge – und das Minus fällt sogar kräftig aus.
Der Rückgang zieht sich dabei nahezu über sämtliche Produktionssegmente. Besonders deutlich fällt das Minus im Konsumgüterbereich aus. Dort steht ein Minus von 4.9% gegenüber dem Vormonat zu Buche.
Die Industrieproduktion ist das handfeste Ergebnis der Auftragsbücher des verarbeitenden Gewerbes. Die Auftragseingänge verzeichnen nun seit zwei Jahren einen Abwärtstrend mit einer zuletzt beobachtbaren leichten Stabilisierung. Es muss deshalb nicht weiter verwundern, dass die Industrieproduktion ebenfalls schwach auf der Brust ist. Und weil der Ausstoß im verarbeitenden Gewerbe hinkt, hinkt auch das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Von der deutschen Wirtschaft ist deshalb im laufenden Jahr nicht allzu viel zu erwarten, schreibt Gitzel. Und vermutlich gilt dies auch für das kommenden Jahr, denn bislang fehlt es an positiven Impulsen für einen Trendwechsel.
Mit Blick auf die Zukunft verheißen die Frühindikatoren im Oktober nichts Gutes für die zukünftige Produktion, schreiben die Ökonomen der ING Bank in einer Reaktion. Nach einer ersten Stabilisierung im September schwächten sich die Produktionserwartungen und umfragebasierten Auftragseinschätzungen im Oktober erneut ab. Die Lagerbestände sind etwas zurückgegangen, bleiben aber weiterhin zu hoch. Die gestrigen Daten zu den Industrieaufträgen für September bestätigten den schwachen Ausblick. Es sieht alles danach aus, dass die deutsche Industrieproduktion in absehbarer Zeit eher seitwärts tendieren wird als an Dynamik zu gewinnen, so die Bank weiter.
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