Inficon-CEO - «Wir horten sicher kein Geld für Zukäufe»

Inficon konnte Gewinn und Umsatz kräftig steigern. Im Video-Interview verrät CEO Lukas Winkler, wieso der Ausblick konservativ ausfällt, ob die Dividende auch künftig steigen wird und warum Zukäufe keinen Vorrang haben.
13.03.2018 14:36
Von Pascal Züger
Lukas Winkler ist CEO von Inficon.
Bild: cash

Der Messtechniker Inficon aus Bad Ragaz profitierte 2017 von der allgemein guten Konjunktur und der grossen Nachfrage nach der neuen Flachbildschirmtechnik OLED, welche zunehmend bei Smartphones Verwendung findet. Der Umsatz stieg im Gesamtjahr um 21 Prozent auf 373,6 Millionen Dollar, der Reingewinn erhöhte sich gar um 48 Prozent auf 59,5 Millionen Dollar.

Gleichzeitig kündigte Inficon einen Anstieg der Dividende von 16 auf 20 Franken pro Aktie an. Somit beträgt die Dividendenrendite neu 3,5 Prozent. Die Ausschüttungsquote liegt bei hohen 86 Prozent des Gewinns. Aktionären gefällt das, die Aktie steigt im heutigen Handel um 3 Prozent an (Stand 14.00 Uhr).

Kritische Stimmen wenden hier ein, dass die liquiden Mittel  für Akquisitionen aufgespart werden könnten, anstatt soviel auszuschütten. "Wir horten sicher kein Geld für Zukäufe", entgegnet Inficon-CEO Lukas Winkler im cash-Video-Interview. Aber wenn man geeignete Zukäufe sehe, werde man auch das nötige Geld finden, um solche Akquisitionen tätigen zu können. "Das steht aber nicht im Vordergrund."

Im Vordergrund steht stattdessen neben der üppigen Aktionärsausschüttung vor allem das organische Wachstum. Denn dieses ist gemäss Winkler bei Inficon "deutlich profitabler" als akquisitorisches Wachstum. Und eine hohe Profitabilität kommt schlussendlich den Aktionären zugute. Denn: Im Video-Interview verspricht der Inficon-Chef auch im nächsten Jahr eine höhere Dividende auszuzahlen, sollte die Firma wiederum mehr verdienen.

Ausblick eher konservativ

Für das laufende Jahr strebt Inficon einen Umsatz von rund 400 Millionen Dollar und eine Betriebsgewinnmarge von über 19 Prozent an. Das Management beurteilt den Markt weiter positiv, erwartet Marktanteilsgewinne sowie steigende Umsätze mit neuen Produkten und will auch dank neuen Anwendungsbereichen weiter wachsen.

Mit diesem Umsatzziel würde das Unternehmen 2018 aber nur noch 7 Prozent wachsen, nachdem der Anstieg 2017 noch 21 Prozent betrug. Rechnet Inficon einfach nur sehr konservativ oder wird eine Wachstumsverlangsamung erwartet? "Beides", sagt Winkler dazu. Er erwartet im Halbleiter- und Beschichtungsmarkt ein nicht mehr ganz so hohes Wachstum wie im vergangenen Jahr. Gleichzeitig stehe man aber erst am Anfang des Jahres und Inficon habe aufgrund der kurzen Lieferzeiten nur einen sehr kurzen Planungshorizont. "Deshalb sind wir Anfang Jahr immer etwas vorsichtiger, da wir noch nicht wissen, was im zweiten Halbjahr passieren kann".

Kann das Unternehmen 2018 den eher konservativen Erwartungen gerecht werden, dann werden die vor einiger Zeit erstellten Mittelfristziele, wonach bis 2020 organisch ein Umsatzwachstum auf 350 bis 400 Millionen Dollar und eine EBIT-Marge von bis zu 20 Prozent erreicht werden soll, bereits 2018 erfüllt.

Es drängt sich daher eine Anpassung der mittelfristigen Guidance nach oben an. "Darüber haben wir uns Gedanken gemacht, aber wir geben dazu noch kein offizielles Statement ab", hält sich Winkler bedeckt. Das Management werde aber im Verlaufe des Jahres darüber berichten. Und zwar dann, wenn die Mittelfristplanung abgeschlossen sei.

Im Video-Interview mit cash erwähnt Lukas Winkler ausserdem die Hauptgründe für das gute Resultat 2017 und die Ursachen für das langsame Wachstum in Amerika.