Mit 3,4 Prozent hat die Jahresteuerung den schon hohen Wert des Vormonats von 2,9 Prozent nochmals deutlich übertroffen. Die Zahlen lagen am oberen Ende der Erwartungen von Ökonomen. Diese hatten mit einer Teuerung von 2,8 bis 3,5 Prozent gerechnet. mit 3,4 Prozent erreicht die Inflation den höchsten Stand seit 1993.

(Chart: Bloomberg)

Die Inflation in der Schweiz hat sich damit im zweiten Jahresviertel beschleunigt. Betrug die Teuerung im April noch 2,5 Prozent, lag sie im Mai bei 2,9 Prozent. Nun liegt sie erstmals seit 14 Jahren wieder über der Marke von 3 Prozent.

Zur Erinnerung: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte Mitte Juni mit Verweis auf die anziehende Teuerung die Leitzinsen angehoben und erklärt, der Höhepunkt der Inflation dürfte im dritten Quartal 2022 mit durchschnittlich 3,2 Prozent erreicht werden. Danach werde sie sich wieder leicht abschwächen.

Wie auch andere Länder leidet die Schweiz unter stark gestiegenen Preisen für Energie und Rohstoffe. Im Zuge der Coronakrise und billigerer Ölpreise war die Jahresteuerung im Sommer 2020 bis auf -1,3 Prozent gefallen. Danach ging es dann mehr oder weniger konstant wieder leicht nach oben.

Erdölprodukte als Preistreiber

Wenig überraschend wurde die Inflation auch im Juni 2022 von den Importgütern befeuert. Diese waren 8,5 Prozent teurer als vor Jahresfrist, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mitteilte. Bei den Inlandgütern betrug die Jahresteuerung 1,7 Prozent.

Die Treiber der "importierten" Inflation waren die Erdölprodukte. Konkret muss etwa im Vergleich zum Juni 2021 für Heizöl 88 Prozent mehr hingeblättert werden. Auch die Auslagen für Benzin (+35,4%), Diesel (+34,8%) und Gas (+43,5%) kletterten deutlich.

Die sogenannte Kerninflation, diese wird etwa um die Ausschläge der Energie- und Treibstoffpreise eliminiert, stieg daher im Juni "nur" um 1,9 Prozent. In den letzten zehn Jahren hatte diese Kerninflationsrate im Schnitt aber genau bei null gelegen.

Die steigenden Erdölpreise hatten auch Auswirkungen auf andere Positionen im Haushaltsbudget. Vor allem für den Luftverkehr (+74%). Aber auch für Auslands-Pauschalreisen (+28%) sowie für Automieten (+87%) mussten Schweizerinnen und Schweizer deutlich mehr bezahlen als noch vor Jahresfrist.

Hervorzuheben sind auch die erneut gestiegenen Wohnungsmieten. Diese lagen im Juni um 1,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Ein Preisanstieg hier fällt besonders ins Gewicht, da sie laut Experten eine Gewichtung von etwa 20 Prozent bei der Kerninflation haben.

Für Wohnen und Energie (Teuerung 2,5%) gaben die Schweizer Haushalte laut Erhebung des BFS im Jahr 2019 im Durchschnitt einen Siebtel ihres Budgets aus.

Wenig im Vergleich mit anderen Ländern

Zur besseren Vergleichbarkeit geben die Statistiker aber auch den in der Eurozone üblichen harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) an. Dessen Anstieg lag in der Schweiz im Juni bei etwas tieferen 3,2 Prozent.

Damit liegt die Inflation hierzulande immer noch auf einem verhältnismässig tiefem Niveau. Die Teuerung in der Eurozone war im Juni mit 8,6 Prozent so hoch wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999. In den USA war die Inflationsrate im Mai mit ebenfalls 8,6 Prozent sogar so hoch wie zuletzt 1981.

(AWP)