Konkret stieg die Inflation im Berichtsmonat April im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte. Gegenüber dem Vorjahr betrug der Anstieg der Schweizer Konsumgüter im April 0,6 Prozent. Die von Bloomberg befragten Ökonomen erwarteten einen Anstieg von 0,5 bis 0,6 Prozent.
Bereits im März ist nach dem Ausbruch des Iran-Krieges die Teuerung um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Die durchschnittliche Jahresteuerung lag im Jahr 2025 bei 0,2 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren sind die Preise kumuliert um knapp 7 Prozent gestiegen, mit starken Anstiegen 2022 und 2023.
Steigende Kosten für Erdölprodukte trugen massgeblich zur Beschleunigung bei, teilte das Statistische Bundesamt der Schweiz am Donnerstag mit. Da Öl- und Gasknappheit die Kosten in anderen Sektoren in die Höhe trieb, stiegen auch die Preise für Gemüse und tropische Früchte deutlich an. Aufgrund der Regelungen werden die Konsumenten höhere Stromrechnungen aber erst im nächsten Jahr spüren, da diese im Normalfall einmal zum Jahresende angepasst werden.
Das Ziel der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist, die Inflation in einem Band von null bis zwei Prozent zu halten. An der letzten geldpolitischen Sitzung vom 19. März 2026 hoben die hiesigen Währungshüter die Inflationsprognose leicht an. Die durchschnittliche Inflation wird für 2026 und 2027 auf 0,5 Prozent und für 2028 auf 0,6 Prozent prognostiziert. Die SNB betonte zudem, dass sich der Inflationsdruck mittelfristig kaum verändert habe.
Mit Blick auf die Zukunft dürfte sich die Inflation bis 2026 allmählich auf höherem Niveau festigen, da die Auswirkungen der starken Währung nachlassen und höhere Energiepreise sich negativ auf die Inlandspreise auswirken. Dies sollte der SNB genügend Zuversicht geben, um schrittweise zu einer restriktiveren Geldpolitik überzugehen und im Dezember 2026 eine Zinserhöhung vorzunehmen, meinten Ökonomen von Bloomberg im Vorfeld der Zahlenpublikation.
Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, schrieb in einem Kommentar: «An den Finanzmärkten dürfte nun das Rätselraten beginnen, ob die SNB möglicherweise im Juni ihren Leitzins erhöhen wird. Akuter Handlungsdruck besteht nicht: Die Inflationsrate ist noch immer verhältnismässig tief. Allerdings mag in Anbetracht einer Teuerungsrate, die nun klar über der Null-Prozent-Marke liegt, der gegenwärtige negative kurzfristige Geldmarktsatz (Saron) nicht recht passen. Gerade deshalb könnte auf Sicht des zweiten Halbjahres tatsächlich ein zinspolitischer Anpassungsbedarf bestehen. Eine Zinsanhebung im laufenden Jahr ist deshalb keineswegs abwegig.»
Etwas anders beurteilen die Währungsspezialisten der Commerzbank die Situation: «Seit Kriegsbeginn wurde bereits mehrfach die recht ambitionierten Erwartungen des Marktes an die Zentralbanken thematisiert. Zu den unrealistischsten zählt nach wie vor die Erwartung an die SNB, den Leitzins bis Jahresende anzuheben. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens stellt der starke Franken ein Problem für die SNB dar, und unveränderte Zinssätze würden die Realzinsdifferenz voraussichtlich so verschieben, dass der Franken geschwächt würde. Zweitens war die Inflationsrate in der Schweiz in den letzten Monaten eher zu niedrig als zu hoch und bewegte sich konstant nahe dem unteren Zielwert von 0 Prozent.»
(cash)
