Waren und Dienstleistungen verteuerten sich nur noch um durchschnittlich 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Dazu trugen billigere Energie und nicht mehr so stark steigende Lebensmittelpreise bei. Im Januar war die Teuerungsrate noch auf 2,1 Prozent geklettert, nachdem sie im Dezember mit 1,8 Prozent auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahr gefallen war. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang der Inflationsrate auf 2,0 Prozent gerechnet.
«In Deutschland bleibt die Inflation im grünen Bereich», sagte der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. «Der Preisauftrieb ist in den vergangenen Monaten durch niedrigere Energiepreise und einen starken Wechselkurs des Euro zum US-Dollar gebremst worden.» Letzterer verbilligt Importe, die oft in Dollar abgerechnet werden. Viele Experten gehen davon aus, dass die Teuerungsrate auch in den kommenden Monaten um die Zwei-Prozent-Marke herum schwanken wird.
Preistreiber blieben einmal mehr die Dienstleistungen: Sie verteuerten sich erneut um 3,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Experten machen hierfür steigende Löhne mitverantwortlich. «Offensichtlich sind die Unternehmen trotz der noch schwachen Konjunktur weiterhin in der Lage, ihre auch wegen des zum Jahresbeginn erneut deutlich angehobenen Mindestlohns deutlich gestiegenen Lohnkosten an ihre Kunden weiterzugeben», sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.
Für Energie mussten Verbraucher 1,9 Prozent weniger bezahlen als ein Jahr zuvor (Januar: -1,7 Prozent). «Geholfen haben vor allem Entlastungen der Politik bei den Strompreisen», sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger, mit Blick auf den Wegfall der Gasumlage und geringere Netzentgelte. Die Preise für Nahrungsmittel zogen nur noch um 1,1 Prozent an (Januar: +2,1). Die Teuerungsrate ohne Nahrungsmittel und Energie, die sogenannte Kerninflation, blieb bei 2,5 Prozent.
Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt in der Währungsunion mittelfristig einen Wert von zwei Prozent an. Die nach europäischen Standards berechnete deutsche Inflationsrate lag im Februar bei 2,0 Prozent. Die EZB hat ihren Leitzins von Mitte 2024 bis Mitte 2025 achtmal auf aktuell zwei Prozent gesenkt, weil der Preisdruck insgesamt nachgelassen hat. Seither wurde er nicht mehr angetastet. «Die EZB wird vorerst an ihrem eingeschlagenen Kurs festhalten», erwartet der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.
Die entschlossene geldpolitische Reaktion der EZB habe die Inflation wieder auf das Zielniveau gebracht, sagte deren Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag vor dem Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments. Sie bekräftigte die Erwartung, dass sich die Inflation mittelfristig dem Zielwert von 2,0 Prozent annähern werde und sich das Lohnwachstum verlangsame.
(Reuters)

