Die Inflation in der Schweiz ist im April wie erwartet auf 0,6 Prozent von 0,3 Prozent im Vormonat angesprungen. Vor allem die höheren Preise für Benzin, Diesel und Heizöl waren dafür verantwortlich. Die Kerninflation, ohne Energie und Treibstoffe sowie frische und saisonale Produkte, bewegte sich gegenüber dem Vormonat allerdings nicht und verharrte bei 0,3 Prozent.
«Die Obergrenze des Zielbandes der Schweizerischen Nationalbank für die Inflation von 2,0 Prozent ist in weiter Ferne und wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht erreicht, auch wenn der Erdölpreis länger auf dem aktuellen Niveau bleiben sollte», schreibt Thomas Stucki, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, in seinen wöchentlich erscheinenden «Investment Views». Stucki kommt zum Schluss: Der Inflationsdruck in der Schweiz ist gering.
Die SNB habe überdies durchblicken lassen, dass sie einen stärkeren Franken zulassen will, so Stucki weiter. Denn werte der Franken auf, drücke dies die Importpreise und helfe, den Einfluss der höheren Energiepreise auf die Inflationsrate zu dämpfen.
Es gibt laut Stucki für die SNB daher kein Argument, bald eine Zinserhöhung in Betracht zu ziehen. «Ich erwarte eine solche frühestens im zweiten Halbjahr des nächsten Jahres. Sollte die EZB bei ihren nächsten Sitzungen ihrerseits ihre Zinsen anheben, müsse die SNB nicht nachziehen.»
Aktuelle Energiekrise erinnert an die Ölkrisen der 1970er-Jahre
Mit der Einschätzung liegt Stucki hinter den Erwartungen des Marktes. Dieser indiziert, dass eine SNB-Zinserhöhung im März 2027 eintreten wird. Als Massstab hierfür dienen die Futures auf den Saron-Zinssatz.
Die Zinsen am Kapitalmarkt widerspiegeln diese Erwartung nur bedingt, entgegnet Stucki. Die Renditen der Obligationen mit einer längeren Laufzeit seien nach wie vor tief und bewegten sich in einem engen Band. «Die Erfahrungen von 2022 zeigten, dass die längeren Zinsen rasch und deutlich ansteigen, wenn höhere Leitzinsen der SNB vor der Tür stehen», schreibt Stucki.
Die aktuelle Energiekrise erinnert laut einer Einschätzung von Raiffeisen Schweiz übrigens in vielerlei Hinsicht an die Ölkrisen der 1970er-Jahre. Damals traf der Ölpreisschock aber eine stark von Erdöl abhängige und energieintensive Schweizer Wirtschaft. 1975 brach das reale BIP um rund sieben Prozent ein, während die Inflation auf knapp zehn Prozent anstieg.
Der Anteil von Erdöl am Energieverbrauch liegt inzwischen nur noch bei rund 46 Prozent, nachdem er Anfang der 1970er-Jahre bei etwa 80 Prozent gelegen hatte. Gleichzeitig hat sich die Energieintensität der Schweizer Wirtschaft seit damals mehr als halbiert. Anders als während der Ölkrise von 1973 drohe der Schweiz somit keine Rezession, kommt Raiffeisen zum Schluss.

