Grund dafür seien die anstehenden regulatorischen Veränderungen in der Schweiz sowie ‌das Fehlen ⁠eines klaren internen Nachfolgers, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Verwaltungsrat der Bank ⁠zeige sich zunehmend offen für eine externe Lösung an der Konzernspitze. Die UBS wolle zunächst Klarheit über künftige Kapitalanforderungen haben. Zudem herrsche Unsicherheit, ob ‌die potenziellen internen Kandidaten derzeit für den Posten geeignet seien. Die UBS, die ‌am Mittwoch ihre Aktionärsversammlung abhält, lehnte eine Stellungnahme ab.

Ermotti ​selbst hatte wiederholt erklärt, er bevorzuge eine interne Nachfolge. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen und die UBS werde den Prozess voraussichtlich nicht überstürzen, hiess es aus den Kreisen weiter. Bleibt Ermotti länger, hätte die Bank mehr Zeit, interne Kandidaten aufzubauen oder extern nach einem Nachfolger zu suchen. Ob sich bereits externe Favoriten herauskristallisiert haben, konnte Reuters ‌nicht in Erfahrung bringen. Ende März hatte der 65-Jährige erklärt, dass er mindestens bis April 2027 an der Spitze des Instituts bleiben wolle.

Ermotti steht bereits weitaus länger an der Spitze der UBS als jeder andere Konzernchef seit der Entstehung ​der heutigen Bank durch eine Fusion im Jahr 1998. Nachdem der Schweizer das Institut ​bereits von 2011 bis 2020 geführt hatte, kehrte er 2023 zur ​Integration der kollabierten Credit Suisse zurück.

Den Insidern zufolge ist er bereit, später das Amt des Verwaltungsratspräsidenten zu übernehmen. Nach den Regeln der Schweizer ‌Finanzmarktaufsicht Finma müsste er nach einem Abgang als CEO im Prinzip zwölf Monate warten, bis er das Präsidium übernehmen darf. Da mindestens einer der beiden Spitzenposten bei der UBS mit einem Schweizer Staatsbürger besetzt sein sollte, würde ein Wechsel ​Ermottis ​an die Spitze des Verwaltungsrats den Weg für einen ⁠ausländischen Konzernchef frei machen.

Ein zentraler Punkt für die zeitliche Planung sind die schärferen ​Kapitalvorgaben, die die Schweizer ⁠Regierung einführen will, um ein erneutes Grossbankendebakel zu verhindern. Diese könnten die UBS dazu zwingen, bis zu 22 Milliarden ‌Dollar an zusätzlichem Kapital vorzuhalten.

Die UBS setzt sich für eine Abschwächung der Vorgaben ein. Der Verwaltungsrat wolle die Kapital-Frage geklärt wissen, bevor ein neuer Chef antrete, sagte einer der Insider. Sollten die ‌Massnahmen zu streng ausfallen, müsste sich die Bank verstärkt mit Notfall-Szenarien auseinandersetzen. Dazu gehöre ​auch eine mögliche Verlegung des Hauptsitzes ins Ausland, wobei die USA angesichts dortiger Deregulierungsbestrebungen eine Option sein könnten. Ein solcher strategischer Schwenk würde auch die Wahl des künftigen Konzernchefs massgeblich beeinflussen, so die Insider.

(Reuters)