«Zentralprozessoren erleben eine Renaissance», sagte David Zinsner, der Finanzchef des Halbleiter-Herstellers, am Freitag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ⁠Reuters. «Wir beginnen, von den aktuellen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) in nennenswertem Umfang zu profitieren.»

Intel-Aktien stiegen daraufhin im nachbörslichen Handel an der Wall Street um ‌etwa 19 Prozent. In ihrem Windschatten legten die Titel des Erzrivalen AMD und ‌des Chipdesigners Arm jeweils etwa sechs Prozent zu.

Staaten und ​Unternehmen investieren jährlich hohe dreistellige Milliardenbeträge in den Bau von KI-Rechenzentren. Dort kommen nicht nur spezielle Hochleistungschips von Anbietern wie Nvidia zum Einsatz, sondern auch traditionelle Server mit Zentralprozessoren. Diese koordinieren die Arbeit der KI-Halbleiter. Zudem sind sie besser für die Nutzung sogenannter KI-Agenten geeignet, die Aufgaben weitgehend selbständig erledigen. Intel gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Zentralprozessoren.

Das ‌künftige Wachstum des Konzerns hängt aber auch davon ab, ob das Unternehmen seine Produkte in ausreichender Stückzahl auf den Markt bringen kann. Das von Intel entwickelte Produktionsverfahren «18A» hat mit technischen Problemen und Verzögerungen zu kämpfen. Die Fertigungssparte des einst weltgrössten Halbleiter-Herstellers ​schreibt aktuell Milliardenverluste.

Gleichzeitig will Intel-Chef Lip-Bu Tan beim lange vernachlässigten Geschäft mit Grafikprozessoren ​für Rechenzentren Boden gutmachen. Diese Chips wurden ursprünglich für Videospiele entwickelt. Inzwischen ​kommen sie jedoch bevorzugt bei KI zum Einsatz, da sie im Gegensatz zu Zentralprozessoren zahlreiche Daten parallel verarbeiten können. Um dem Weltmarktführer Nvidia Konkurrenz ‌zu machen, warb Intel einen Grafikchip-Spezialisten vom Wettbewerber Qualcomm ab.

Zudem beteiligt sich der US-Konzern an einer Chipfabrik, in der KI-Prozessoren für den Elektroautobauer Tesla und die Raumfahrtfirma SpaceX produziert werden sollen. Diese beiden Unternehmen gehören zum Firmenimperium des Milliardärs Elon Musk. Tesla ​ist zudem ​der erste grosse Abnehmer für Intels kommende Chipgeneration, die ⁠mithilfe des Verfahrens «14A» gefertigt wird.

Im ersten Quartal steigerte Intel den ​Umsatz weiteren Angaben zufolge um ⁠sieben Prozent auf 13,6 Milliarden Dollar. Die Erlöse der Rechenzentrums- und KI-Sparte hätten um etwa ein Viertel auf 5,1 Milliarden ‌Dollar zugelegt. Der bereinigte Gewinn habe sich auf 0,29 Dollar je Aktie mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung verdanke sein Unternehmen auch dem Verkauf von veralteten oder qualitativ minderwertigen Chips, die bislang auf Halde ‌gelegen hätten, erläuterte Finanzchef Zinsner.

Für das angelaufene Vierteljahr stellte das Unternehmen einen Umsatz zwischen ​13,8 und 14,8 Milliarden Dollar sowie einen Gewinn von 0,20 Dollar je Aktie in Aussicht. In dieser Prognose spiegelten sich unter anderem Preiserhöhungen wider, fügte Zinsner hinzu.

(Reuters)