"Wir teilen die weit verbreitete Besorgnis über die Inversion der Renditekurve nicht", schrieb Jan Hatzius, Chefökonom der Bank, in einer Analyse und senkte seine Einschätzung der Rezessionswahrscheinlichkeit von 25 auf 20 Prozent. Dies, nachdem die US-Inflationsdaten in der vergangenen Woche niedriger als erwartet ausgefallen waren.

Damit widerspricht Hatzius den meisten Anlegern, die darauf hinweisen, dass die inverse Renditekurve eine nahezu makellose Erfolgsbilanz bei der Vorhersage von Wirtschaftsabschwüngen hat. Vor jeder der letzten sieben Rezessionen in den USA rentierten dreimonatige Treasuries höher als zehnjährige Anleihen. Derzeit liegen die kurzfristigen Renditen um mehr als 150 Basispunkte über den länger laufenden Anleihen und stehen damit kurz vor der grössten Inversion seit vier Jahrzehnten.

Normalerweise verlangen Anleger für das Halten von Anleihen mit längerer Laufzeit eine höhere Entschädigung bzw. Rendite als für Bonds mit kürzerer Laufzeit. Dreht sich die Kurve nach unten, bedeutet dies, dass die Anleger erhebliche Zinssenkungen einpreisen. Dies geschehe erst, wenn das Rezessionsrisiko "deutlich sichtbar wird", erklärte Hatzius.

Diesmal sei die Situation jedoch anders, so der Ökonom. Dies liege daran, dass die Laufzeitprämie "deutlich unter" ihrem langfristigen Durchschnitt liege, so dass weniger Zinssenkungen nötig seien, um die Kurve umzukehren. Zudem eröffne die nachlassende Inflation der US-Notenbank "einen plausiblen Weg", die Zinsen zu lockern, ohne eine Rezession auszulösen, so Hatzius.

Als die Wirtschaftsprognosen zu pessimistisch wurden, so Hatzius weiter, übten sie mehr Druck auf die längerfristigen Renditen aus, als gerechtfertigt war. "Das Argument, die inverse Kurve bestätige die Konsensprognose einer Rezession, ist daher gelinde gesagt ein Zirkelschluss”, schreibt er.

(Bloomberg)