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Investmentchef Harald Preissler - «Das Börsenumfeld wird ruppiger und rauer»

Für Aktienanleger wird das Umfeld ungemütlicher, ist Harald Preissler überzeugt. Im Börsen-Talk sagt der Investment-Experte, weshalb er mit erneuten scharfen Korrekturen rechnet und wie sich Börsianer verhalten sollten.
23.02.2018 00:06
Von Ivo Ruch
Harald Preissler ist Investmentchef der Bantleon Bank.
Bild: cash

Happige Aktienmarkt-Korrekturen im zweistelligen Prozentbereich. Das ist kein Blick zurück, das ist ein Blick nach vorn. Denn Harald Preissler ist äusserst skeptisch, was die weitere Entwicklung an den weltweiten Börsen betrifft. "Das Börsenumfeld wird ruppiger und rauer, es wird häufiger tiefere Einschläge geben, in den USA wie an den europäischen Aktienmärkten", sagt der Investmentchef der Bantleon Bank im cash-Börsen-Talk.

Vielen Anlegern steckt noch immer der scharfe Einbruch von Anfang Februar in den Knochen, als die Börsen rund um den Globus 10 Prozent oder noch mehr korrigierten. Laut Preissler befinden wir uns nun zwar in einer technischen Erholung. Aber das sei alles nur ein "Vorgeplänkel", wie er sagt. Der wichtigste Faktor in den nächsten sechs bis zwölf Monaten sei die Konjunktur und diese habe ihren Höhepunkt hinter sich: "Die Phase immer guter und besserer Nachrichten von der Konjunktur und den Unternehmensgewinnen ist vorbei."

Es gibt tatsächlich erste Anzeichen dafür, dass sich die Weltwirtschaft nicht mehr nur nach oben entwickeln wird, weil sie ihren Gipfel erreicht hat. So hat sich jüngst zum Beispiel die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft eingetrübt. Derweil steht die Kauflaune der Konsumenten in der Euro-Zone kurz vor ihrem bisherigen Höhepunkt. Auch die Entwicklung der Löhne und Preise in den USA deutet eine allmähliche Überhitzung der Wirtschaft an.

Höchstens eine Nullrunde für Aktien?

Mittlerweile haben sich die Börsenindizes von der Februar-Korrektur wieder etwas erholt. Doch die Schweizer Börse hinkt diesbezüglich hinter her. Während der amerikanische Dow Jones in diesem Jahr auf eine Performance von 1 Prozent kommt, steht der Swiss Market Index fast 5 Prozent im Minus.

Laut dem Investment-Experten Harald Preissler könnte sich das bis zum Jahresende nicht mehr gross ändern. Er rechnet für das laufende Jahr bei globalen Aktienanlagen mit einer Nullrendite, wenn nicht gar mit einer negativen von -3 bis -5 Prozent. "Allerdings dazwischen mit schärferen Korrekturen von 20 bis 25 Prozent, die sich dann wieder fangen", wie er im cash-Börsen-Talk sagt.

Ein wichtiger Faktor dabei ist die Angst vor deutlich höheren Zinsen. Zehnjährige US-Staatsanleihen haben jüngst den höchsten Stand seit Jahren erreicht, wie der folgende Chart zeigt. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen haben sich in den letzten zwölf Monaten gar fast vervierfacht. Das könnte ebenfalls eine Bremswirkung auf die Wirtschaft entwickeln.

"Denn die Finanzierungskonditionen für Investitionen verschlechtern sich deutlich und das wird auch an den Aktienmärkten für Probleme sorgen", sagt Preissler. Sichtbar werde das zum Beispiel, wenn sich die Anschlussfinanzierungen für Hochzinsanleihen dramatisch verteuern.

Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen in den letzten zehn Jahren (Quelle: cash.ch)

Kommt hinzu, dass die grossen Zentralbanken den Finanzmärkten nicht mehr unter die Arme greifen können. Sie haben in der Vergangenheit die Märkte mit billigem Geld geflutet und damit die Preise vieler Anlageklassen in die Höhe getrieben. Doch die Zinsen weiter zu senken, ist im Falle der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nicht mehr möglich. Und das Anleihenkaufprogramm der EZB stösst Experten zufolge an seine regulatorischen Grenzen.

Wie sollen sich Anleger in diesem eher düsteren Szenario verhalten? Sie sollten sich defensiv positionieren, so der Ratschlag des Anlagespezialisten Preissler. "Oft hört man den Spruch 'buy the dip'. Aber diese Zeiten sind vorbei. Man sollte erst einmal abwarten, wie sich die Konjunktur in den nächsten Monaten entwickelt". Einen Einstieg bei Aktien empfiehlt er erst wieder, wenn die Konjunkturbeule überstanden ist.