Die Finanzinvestoren CVC Capital Partners und Groupe Bruxelles Lambert (GBL) wollen den italienischen Pharmakonzern Recordati für 10,7 Milliarden Euro kaufen und ‌von ⁠der Börse nehmen. Das Konsortium legte am Freitag ein Barangebot in Höhe von ⁠51,29 Euro je Aktie vor. Dies entspricht einem Aufschlag von 12,89 Prozent zum Schlusskurs ‌vom 25. März, dem Tag, bevor das Interesse von ‌CVC an Recordati bekannt geworden war. «CVC ​und GBL werden als gleichberechtigte Investoren partnerschaftlich zusammenarbeiten, mit dem klaren Bekenntnis, die Entwicklung des Unternehmens langfristig zu unterstützen», teilten die beiden Investoren mit.

CVC kontrolliert bereits seit 2018 eine Gesellschaft, die 46,8 Prozent der Recordati-Anteile hält. Ende ‌März hatte der Investor eine erste unverbindliche Offerte vorgelegt, die jedoch noch an Bedingungen wie die Suche nach Partnern geknüpft war. Neben GBL beteiligen sich nun ​auch die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), der kanadische Pensionsfonds CPPIB ​sowie Recordati-Verwaltungsratschef Andrea Recordati an dem Angebot. Der ​Rückzug von der Börse solle es dem Unternehmen erleichtern, neue Geschäftsmöglichkeiten und Zukäufe in ‌seinen verschiedenen Sparten auszuloten, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Die Firma, die heute ihren Sitz in Mailand hat, war vor einem ​Jahrhundert von ​Giovanni Recordati in Correggio im Norden ⁠Italiens gegründet worden.

Der zersplitterte italienische Pharmasektor ist ​derzeit stark in Bewegung, ⁠viele Firmen wollen sich durch Zusammenschlüsse verstärken. So hatte zuletzt Angelini die Übernahme ‌des US-Unternehmens Catalyst Pharmaceuticals für 4,1 Milliarden Dollar angekündigt. Zudem kaufte Chiesi die US-Firma KalVista Pharmaceuticals für zwei Milliarden Euro. Recordati selbst ‌ist heute in den Bereichen Grundversorgung, rezeptfreie Medikamente und ​seltene Krankheiten aktiv und beliefert über seine Chemiesparte auch andere Pharmaunternehmen. 

(Reuters)