Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, sie hätten Raketen abgefeuert und Drohnen gegen wichtige US-Stützpunkte gestartet. Betroffen seien der Stützpunkt Bandar Salman, das Hauptquartier der Fünften US-Flotte in Bahrain sowie der Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem in Kuwait. Zudem sei eine US-Drohne vom Typ MQ-9 abgeschossen worden, mit der versucht worden sei, den Angriff abzuwehren. In Bahrain und Kuwait wurde Luftalarm ausgelöst. Die kuwaitische Armee teilte mit, die Luftabwehr bekämpfe feindliche Raketen- und Drohnenangriffe. Eine Stellungnahme des US-Militärs lag zunächst nicht vor.
Die USA flogen am Dienstag neue Luftangriffe gegen den Iran und widerriefen eine Ausnahmegenehmigung, die dem Land den Verkauf von Öl auf dem Weltmarkt erlaubte. Dies war eine Reaktion auf Angriffe auf drei Tanker in der Strasse von Hormus. Das US-Zentralkommando (Centcom) teilte mit, bei dem Einsatz seien unter anderem mehr als 60 Kleinboote der Revolutionsgarden getroffen worden. Ziel sei es gewesen, den Iran für die Angriffe auf die Schifffahrt, die eine Verletzung des Waffenstillstands darstellten, einen hohen Preis zahlen zu lassen.
«Die ungerechtfertigte Aggression der iranischen Streitkräfte ist eine klare und gefährliche Verletzung des Waffenstillstands und gefährdet die Freiheit der Schifffahrt», hiess es in einer Erklärung von Centcom. Einem US-Regierungsvertreter zufolge richteten sich die Angriffe gegen iranische Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungssysteme, Boden-Luft-Raketen, Seezielflugkörper und Drohnen-Startplätze.
«Wir knicken nicht ein»
Nato-Generalsekretär Mark Rutte verteidigte die US-Angriffe am Mittwoch vor dem Gipfeltreffen der Allianz in Ankara als «absolut notwendig». «Wenn eine Waffenruhe besteht und der Iran diese im Grunde genommen verletzt, halte ich es für vollkommen entscheidend, dass die USA entschlossen reagieren», sagte Rutte vor Journalisten.
Das zentrale militärische Hauptquartier des Iran, Chatam al-Anbija, verurteilte die US-Angriffe dagegen als «offenkundige Aggression» und drohte mit einer «vernichtenden Antwort». Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warf den USA vor, das Waffenstillstandsabkommen gebrochen zu haben. Er verwies neben den jüngsten Militärschlägen auf die erneuten Ölsanktionen, angebliche Verletzungen iranischer Regelungen in der Strasse von Hormus und israelische Angriffe auf den Libanon. «Die Ära der Schikane und Erpressung ist vorbei», erklärte Ghalibaf auf der Plattform X. «Wir knicken nicht ein.»
In den südiranischen Hafenstädten Sirik und Bandar Abbas sowie auf den Inseln Charg und Keschm gab es Medienberichten zufolge Explosionen. Auf der Insel Charg, über die der Iran 90 Prozent seiner Rohölexporte abwickelt, seien mehrere Detonationen zu hören gewesen, meldete der iranische Sender Press TV. Centcom machte dazu keine Angaben. Berichten zufolge wurden auch Fischereihäfen und eine gewerblich genutzte Anlegestelle in Sirik getroffen, wobei mehrere Personen durch Splitter verletzt wurden. Todesopfer unter der Zivilbevölkerung wurden zunächst nicht gemeldet.
Ölpreise steigen
Der Entzug der US-Ausnahmegenehmigung für iranische Ölexporte liess die Ölpreise um mehr als drei Prozent steigen. Unter dem vorläufigen Abkommen hatte das US-Finanzministerium am 22. Juni eine Ausnahmegenehmigung erteilt, die den Verkauf von iranischem Rohöl und petrochemischen Produkten bis zum 21. August erlaubte. Mit dem Widerruf am Dienstag setzte Washington eine Frist bis zum 17. Juli, um alle Geschäfte abzuwickeln. Das iranische Aussenministerium verurteilte den Schritt als Bruch des Rahmenabkommens und erklärte am Mittwoch, der Iran werde «jede erforderliche Massnahme» ergreifen, um seine Interessen und die nationale Sicherheit zu schützen.
Während Teheran jede Verantwortung für die jüngsten Angriffe auf Handelsschiffe in der Strasse von Hormus von sich wies, machte Katar das Nachbarland direkt dafür verantwortlich. Unter den angegriffenen Schiffen befand sich der katarische Flüssiggastanker «Al Rekayyat», auf dem nach einem Drohnenangriff ein Feuer im Maschinenraum ausbrach. Zudem wurde ein unter saudiarabischer Flagge fahrender Rohöltanker, bei dem es sich vermutlich um den Supertanker «Wedyan» handelt, vor der Küste Omans beschädigt.
Die Vorfälle stellen das fragile Waffenstillstandsabkommen infrage, das die USA und der Iran im vergangenen Monat geschlossen hatten. Die Vereinbarung sollte ein 60-tägiges Zeitfenster für Verhandlungen über ein dauerhaftes Abkommen bieten, nachdem der Konflikt durch US- und israelische Angriffe auf den Iran eskaliert war. Indirekte Gespräche in Katar endeten in der vergangenen Woche jedoch ohne Fortschritte. US-Präsident Donald Trump drohte wiederholt mit einer Fortsetzung der Bombardierungen, sollte der Iran keinem Abkommen zustimmen.
Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi betonte dagegen, dass Verhandlungen über eine endgültige Vereinbarung «nicht beginnen werden, solange die Drohungen andauern». Zudem strebt die Führung in Teheran die Einrichtung eines dauerhaften Gebührensystems in der Strasse von Hormus an, was eine erhebliche Verschiebung des Kräfteverhältnisses in der Region bedeuten würde, in der die USA traditionell als Sicherheitsgarant auftreten.
(Reuters)

