Das Abkommen könnte es Teheran ermöglichen, hohe Gebühren von Schiffen zu fordern, die durch die Strasse von Hormus in den Persischen Golf einlaufen, sagten ein Insider aus dem Iran und zwei Regierungsvertreter aus der Region am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Wenn das so komme, sei dies eines der bislang grössten Zugeständnisse an den Iran.
Nach Angaben des iranischen Insiders strebt der Iran Gebühren in Höhe von fünf bis sieben Prozent des Frachtwerts von Schiffen an, die die Meerenge passieren. Das könnte dem Iran viele Millionen Dollar einbringen - pro Tag. Der Oman strebt Gebühren von etwa drei Prozent an. US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt erklärt, es werde keine Gebühren für die Durchfahrt geben. Trump hatte kurzzeitig aber auch erklärt, die USA selbst würden Gebühren erheben. Viele Beobachter sehen die USA inzwischen aber in einer schwachen Position, in der sie dem Iran keinen Frieden zu ihren Bedingungen diktieren können.
Ein Abkommen, das dem Iran die Kontrolle über den Zugang zur Meerenge einräumt, würde bedeuten, dass der von den USA und Israel begonnene Krieg gegen den Iran zu einer erheblichen Verschiebung des regionalen Machtgleichgewichts zugunsten Teherans führt. Trump hatte ursprünglich erklärt, der Ende Februar begonnene Krieg werde wenige Wochen dauern und mit der «bedingungslosen Kapitulation» des Iran enden. Am Dienstag hatte Trump dem Sender Fox gesagt, die Strasse von Hormus werde «sehr bald» wieder geöffnet sein.
Irans Vize-Aussenminister Kazem Gharibabadi sagte der Nachrichtenagentur Irna, ein bedeutender Teil der neuen Route für die Schiffe verlaufe in iranischen Hoheitsgewässern. Sie sei so konzipiert, dass Handelsschiffe sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt diese Gewässer durchqueren müssten. Ein Insider sagte indes, über die Ausfahrt werde noch verhandelt.
Ein Insider aus der Region sagte, es müsse auch noch geklärt werden, wie «Kontrolle» über die Routen der Schiffe definiert werde. Verhandler aus der Golfregion bestünden zudem unter anderem darauf, dass die Zahlung von Gebühren freiwillig sei. Diese Freiwilligkeit könnte ein Ausweg etwa für die USA sein, ein Abkommen gesichtswahrend zu akzeptieren. Allerdings könnte die Freiwilligkeit nur auf dem Papier bestehen. Denn sollte der Iran Angriffe auf Schiffe androhen, dürfte kaum ein Reeder den Transit ohne Zahlung riskieren. Ähnlich hatte sich der Iran in den Vorwochen schon verhalten.
«Hinsichtlich einer gewissen Form der Kontrolle über die Strasse von Hormus wurde bereits ein Zugeständnis gemacht», sagte einer der regionalen Insider. Dabei hatten die USA wiederholt erklärt, sie würden niemals eine Vereinbarung akzeptieren, die es dem Iran ermögliche, den Zugang zur weltweit wichtigsten Handelsroute für Öl- und Gas-Lieferungen zu kontrollieren.
Monatelange militärische Bemühungen der USA, darunter eine zweiwöchige Angriffsserie im Juli, haben den iranischen Einfluss auf die Meerenge allerdings nicht gebrochen. US-Kommandeure hatten Trump vielmehr im Juli mitgeteilt, dass die Vorräte an bestimmter Munition zur Neige gingen. Reuters hatte zudem am Dienstag berichtet, dass die US-Armee fast alle ihre Langstrecken-Präzisionsraketen aufgebraucht habe.
(Reuters)

