Der Iran-Krieg dämpft den Aufwärtstrend der deutschen Wirtschaft - vorerst aber nicht den der Industrie. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - sank im März ‌um 1,3 ⁠auf 51,9 Punkte. Das teilte der Finanzdienstleister S&P Global am Dienstag zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mit. ⁠Damit hielt sich das an den Finanzmärkten stark beachtete Barometer aber über der Marke von 50, ab der es Wachstum ‌signalisiert. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf ‌52,0 Punkte gerechnet.

Israel und die USA greifen ​den Iran seit dem 28. Februar an. Das hat die Energiepreise deutlich nach oben getrieben. «Die März-Daten zeigen die ersten Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf Wachstum, Nachfrage, Geschäftsklima und – vielleicht am deutlichsten – auf die Preise», sagte S&P-Direktor Phil Smith. Die Einkaufspreise legten zum Quartalsende so rasant zu wie seit über ‌drei Jahren nicht mehr. Verteuert haben sich den Befragten zufolge Energie, Kraftstoffe sowie eine Reihe von Rohstoffen, ebenso die Transport- und Lohnkosten. «Folglich wurden auch die Verkaufspreise deutlicher angehoben als zuletzt, wenngleich dieser Anstieg moderater ​ausfiel als der Kostenauftrieb», hiess es.

In der Industrie allein läuft es trotz ​der neuen Belastungen überraschend gut: Deren Barometer kletterte dank des ​dritten Auftragszuwachses in Folge um 0,8 Punkte und liegt mit 51,7 Zählern im Wachstumsbereich. Das ist zugleich der höchste Wert seit ‌knapp vier Jahren. So wurde die Nachfrage dadurch angekurbelt, dass Unternehmen auf die durch den Krieg im Nahen Osten verursachten Störungen und Unsicherheiten reagierten.

«Manche zogen ihre Einkäufe auch aus Sorge vor möglichen Lieferunterbrechungen ​in den ​kommenden Monaten vor», erklärte S&P-Experte Smith. Die Geschäftserwartungen ⁠wurden aber zugleich nach unten korrigiert - «ein Zeichen dafür, dass der Wachstumsschub ​wahrscheinlich nur von kurzer ⁠Dauer sein wird». Der Druck auf die Lieferketten habe bereits zugenommen. Darüber hinaus meldeten die Hersteller die ‌grösste Kostensteigerung seit Ende 2022.

Bei den Dienstleistern gab das Barometer um 2,3 auf 51,2 Punkte nach. Das ist der schlechteste Wert seit sieben Monaten. Smith führt das auf ‌sinkende Neuaufträge als Folge von erhöhter Unsicherheit und steigendem Preisdruck zurück.

Der Ölpreisschock ​durch den Iran-Krieg trübt Ökonomen zufolge die Wachstumsaussichten und treibt die Inflation hoch. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) und auch das Münchner Ifo-Institut veranschlagen für dieses Jahr nur noch ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,8 ‌Prozent.

(Reuters)