Beide Seiten griffen sich am Wochenende mit Raketen und Drohnen an. Zuvor ‌hatte der ⁠Iran die erneute Schliessung der strategisch wichtigen Strasse von Hormus angekündigt. Erneut wurden eine Reihe von Handelsschiffen angegriffen.

US-Präsident Donald Trump hatte vor wenigen Tagen das Ende der Waffenruhe ⁠erklärt, weil sich Iran nicht an die Zusagen halte. Der Iran räumte einen Warnschuss auf ein Schiff ein, das auf einer nicht von Teheran genehmigten Route gefahren sei. Am Sonntag erklärte das ‌Militär, ein zweites Schiff ausser Gefecht gesetzt zu haben. Die Meerenge bleibe bis zum «Ende der US-Einmischung in dieser ‌Region» geschlossen, erklärten die iranischen Revolutionsgarden. Das US-Zentralkommando betonte allerdings, dass weiterhin Handelsschiffe die ​Wasserstrasse passierten, über die vor dem Krieg ein Fünftel der weltweiten Öl- und LNG-Lieferungen abgewickelt wurden.

Das US-Zentralkommando gab bekannt, dass die US-Streitkräfte am Samstag 140 iranische Militärziele angegriffen hätten. In drei Nächten seien insgesamt mehr als 300 Ziele ins Visier genommen worden, «um die Fähigkeit des Irans zu schwächen, zivile Seeleute und Handelsschiffe anzugreifen, die die Strasse von Hormus frei passieren». Iranische Staatsmedien berichteten von Explosionen in mehreren Hafenstädten. Die USA hatten bereits am Dienstag die Lizenz für den Verkauf iranischen Rohöls widerrufen, ‌nachdem katarische und saudische Tanker Anfang der Woche unter Beschuss geraten waren.

Als Reaktion auf die neuen Angriffe gaben die Revolutionsgarden an, ein Kommando- und Kontrollzentrum sowie Drohnenhangars in Jordanien, einem engen US-Verbündeten, zerstört zu haben. Zudem hätten sie eine US-Radarstation in Kuwait angegriffen, US-Flugzeugträger-Unterstützungs- und Betankungsplattformen in Oman attackiert und ein Wartungszentrum für Kampfflugzeuge sowie eine ​Kommandozentrale in Katar zerstört. Die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten, ihre Verteidigungssysteme hätten Raketen und Drohnen aus dem Iran abgefangen. In Bahrain ​ertönten Warnsirenen, in Doha waren Explosionen zu hören.

Iran-Krieg: Eskalation und räumliche Ausweitung ​des Konflikts

Die Angriffe Teherans markierten eine Eskalation und räumliche Ausweitung ​des Konflikts. In den vergangenen Wochen hatte der Iran Kuwait und Bahrain angegriffen, Katar seit Anfang April und die Vereinigten Arabischen Emirate seit Anfang Mai jedoch gemieden.

Der Krieg hat den Golf destabilisiert, ‌während Irans Blockade der Strasse von Hormus zu einem starken Anstieg der Energiepreise und damit zu einer globalen Inflation geführt hat. Höhere Preise, insbesondere für Benzin, sind auch für US-Präsident Trump im Vorfeld der Kongresswahlen im November ein innenpolitisch heikles Thema.

Irans Aussenminister Abbas Araktschi warf den USA vor, das Waffenstillstandsabkommen ​gebrochen zu ​haben. «Es kann nur eine gegenseitige Einhaltung geben», schrieb er am Freitag auf der Plattform ⁠X. Am Sonntag postete Irans Chefunterhändler Mohammad Baqer Qalibaf dann ebenfalls auf X: «Die Ära der ​einseitigen Abkommen ist VORBEI. Wir haben es ⁠euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis.»

Araktschi und der omanische Aussenminister Badr Albusaidi trafen sich im Oman, um sich laut einer iranischen Erklärung über «geeignete Mechanismen ‌für die sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Strasse von Hormus» auszutauschen. Die staatliche omanische Nachrichtenagentur berichtete, die Verhandlungen würden auf technischer und politischer Ebene fortgesetzt. Beide Staaten kontrollieren die Meerenge von Hormus.

Zusätzlich angeheizt wird der Konflikt durch gegenseitige Drohungen. Der neue oberste geistliche Führer des Iran, Ajatollah ‌Mojtaba Chamenei, schwor am Samstag Rache für den Tod seines Vaters und Vorgängers, Ajatollah Ali Chamenei, der bei den ​Angriffen am 28. Februar getötet worden war. Trump hatte seinerseits am Freitag erklärt, er habe das US-Militär angewiesen, darauf vorbereitet zu sein, im Fall eines Anschlags auf ihn Tausende Raketen auf den Iran abzufeuern. Zuvor hatte das «Wall Street Journal» berichtet, Israel habe Washington Geheimdienstinformationen über einen iranischen Anschlagsplan gegen Trump übermittelt.

(Reuters)